Trial and Error – Probieren geht über Studieren!

20161026_104101Built to last? Mitnichten! Dieses schöne Armband hatte ich unter anderem erstanden, weil es auf Metalldrähte aufgereiht und mit einem Magnetverschluss versehen ist. Prima, dachte ich, das sieht stabil aus und wird nicht so schnell kaputt gehen.

Umso grösser war die Enttäuschung, als sich ein Metalldraht löste und alle Scheiben, Perlen und Anhänger zu Boden gingen. Mein erster Gang war der zum Laden, um um eine Reparatur zu bitten. Mitleidiger Blick. „Tut uns leid. Wir kreieren den Modeschmuck nicht selbst, sondern bestellen ihn. Da können wir leider nicht weiterhelfen.“ Hätte ich mir ja denken können. Von einer Kultur der Reparatur sind wir noch meilenweit entfernt.

Also selber reparieren! Plan A war, die losen Teile auf einen elastischen20161026_104117 Faden aufzureihen, diesen zu verknoten und damit ein separates Armband zu haben. Ich würde es einzeln oder auch zu den verbleibenden beiden Reifen mit dem Magnetverschluss tragen können. Zugegeben, das war schon eher die pragmatische Lösung, aus der Not eine Tugend zu machen. Aber durchaus praktikabel, wie ich dachte. Gesagt, getan. Vorsichtshalber — oder sagen wir lieber glücklicherweise! — schnitt ich den leeren Metalldraht vom Armband noch nicht ab. Denn das Aufreihen entpuppte sich als elende Fummelarbeit, da das textile Ende des elastischen Bands immer wieder fadenartig ausfranste und sich die Scheiben und Perlen gar nicht gut aufreihen liessen.

Einen elastischen Nylonfaden hatte ich nicht. Sollte ich die Reparaturarbeit beiseite legen und erst einen Nylonfaden kaufen? Nein! Heftiger Protest in mir. Nun sitzt Du schon dran, zieh das jetzt durch! Sonst wird das am Sankt Nimmerleinstag (also nie) fertig. 20161026_120806

Plan B war schnell zur Hand. Ich holte Sekundenkleber. Wieder ärgerte ich mich: Ich hatte extra die Mini-Variante der Sekundenkleber Tuben gekauft, weil die grösseren Tuben immer  viel zu schnell austrocknen. Ich versuchte, die erst einmal benutzte Mini-Tube zu öffnen. Fehlanzeige! Die Klebetülle war so fest mit dem Deckel verklebt, dass ich beim Aufdrehen Kraft anwenden musste. Mit dem Resultat, dass die Tülle samt Deckel abbrach. Fast lief mir der Sekundenkleber über die Finger. Mir war sofort klar, dass nur noch ein Klebevorgang möglich sein würde, da die Tube nicht mehr verschliessbar war. Was für eine Verschwendung! Die restliche Klebe würde unbrauchbar werden. Metalltube, Plastik, Restkleber — alles Ressourcen für den Müll. Ich bin überzeugt, die Klebeindustrie könnte das Problem lösen. Aber dann würden sie deutlich weniger Sekundenkleber verkaufen. Geld regiert die (Um)welt!

Ich zog also die losen Teile auf den Metalldraht des Armbands auf, 20161026_123117 benetzte das Ende des Metalldrahts sorgfältig von allen Seiten und brachte den Klebstoff auch in den äusseren Metallverschluss ein, in den auch die anderen beiden Drähte mündeten. Jetzt nur aufpassen, dass das Zeug nicht an die Finger kommt! Vorsichtig steckte ich die Teile wieder zusammen und drückte es eine Weile fest, dann fixierte ich das Armband zum Trocknen und benutze es seither wieder mit grosser Freude!

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20161026_122710Die zweite Reparatur war deutlich einfacher: mein Sohn hatte ein Steinarmband, das ihm kaputtgegangen war. Neu auf den elastische Faden aufgereiht, einen Dreifachknoten rein, fertig! Schnelle Sache. Es blieb sogar noch Zeit, einen kleinen Kartengruss (Zweitverwertung eines Kalenderbilds und eines Geschenkbands) an das reparierte Armband anzubringen und es ihm auf sein Kopfkissen zu legen. Gross war die Freude, als er es beim nächsten Besuch daheim fand. Aber wahrscheinlich habe ich mich noch viel mehr gefreut als er! Erstens über seine Freude, zweitens, weil es mir einmal mehr gutgetan hat, die Arbeit anderer Menschen zu ehren, indem ich die Dinge repariere und drittens, weil ich dabei ganz nebenbei Ressourcen schone und die Lebensdauer der Dinge verlängern kann.

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Ohne Moralpredigt für die Umwelt sensibilisieren

Heutzutage traut man sich als Weltenbürger ja fast schon nicht mehr, zu atmen! Man könnte ja zu viel Sauerstoff beanspruchen… Fleisch essen? Das braucht um Faktoren mehr Wasser, als Gemüse… Auto fahren? Längst liebäugelt man mit einem E-Auto, während man den Zündschlüssel des Diesels dreht und der Motor losrattert…

Die notorischen Gewissensbisse suggerieren, dass man noch viel mehr für die Umwelt tun könnte, sollte, müsste. Man kann sich zwar im Kleinen für die Umwelt engagieren, beispielsweise indem man Dinge repariert, anstatt sie wegzuwerfen. Man kann die Kleidung ausbessern und damit die Näher(innen) wertschätzen. Man kann sich vor Neuanschaffungen fragen, ob es wirklich nötig ist, sie zu kaufen. Man kann Plastik konsequent trennen, ins Recycling geben und beim Kauf von Elektrogeräten auf eine gute Reparierbarkeit achten. Aber irgendwie scheint es doch nie auszureichen, denn die Schäden, die die Umwelt nimmt, werden grösser, nicht kleiner.

Ausstellungen, die dieses anhaltende schlechte Gefühl noch bestärken und den moralischen Zeigefinger erheben, machen alles nur noch schlimmer. Mich erreichen die Botschaften von solchen Ausstellungen nicht. Es gibt aber auch gute Beispiele von Ausstellungen, die sensibilisieren, ohne zu moralisieren. Im Zürcher Zoo fiel mir neulich eine Fotoausstellung auf, die nicht den Zeigefinger erhebt, sondern sachlich informiert – und konkrete Konsumententipps gibt. Das hat mir sehr gefallen!

Auf dem ersten Bild ist der durchschnittliche Papierkonsum pro Person und Jahr in der Schweiz veranschaulicht: 296 kg. Als Vergleich dazu der Verbrauch in Afrika mit 6 kg.

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In meinem Beitrag Die Papierflut schrieb ich über den ganz normalen Wahnsinn überquellender Briefkästen mit ungewünschter Werbung und Gratiszeitungen. Nach konsequentem monatlichen Abbestellen oder Zurücksenden unerwünschter Sendungen (hier in der Schweiz mit dem Vermerk „refusée“ kostenfrei möglich) bekomme ich tatsächlich deutlich weniger Papier. Die Tages- ist auf eine Wochenzeitung umgestellt, News lese ich auf dem Handy. Auch nutze ich meinen Scanner viel häufiger, als den Kopierer und habe mir angewöhnt, wo möglich Papier zu vermeiden und nur noch elektronisch zu archivieren. In diesem Bereich können wir als Konsumenten viel machen!

Wenn möglich, solle man auf Tropenholz verzichten, denn dies öffne der Wilderei Tür und Tore. Auch hier bin ich gut dabei, ich kaufe grundsätzlich nur Hölzer aus zertifiziertem Anbau.

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Positiv überrascht sehe ich eine weitere Schautafel mit sehr brauchbaren Tipps für Konsumenten:

  • Art und Herkunft des Holzes beachten: beim Kauf von Holz und Holzprodukten soll man auf die Kennzeichnung von Holzart und -herkunft. achten. Optimal ist heimisches Holz mit dem FSC-Label.
  • Nachfragen, falls die Deklaration unklar ist: Wenn der Händler keine Deklaration der Holzart und des Herkunft abgibt, fragen.
  • Kein Tropenholz kaufen: Auf Tropenholz (auch Teak) verzichten. Es gibt für alle Tropenhölzer einen europäischen Ersatz, ausser für Balsaholz. Dieses Holz hat einzigartige Eigenschaften. Anstatt Teak kann man Robinie verwenden.
  • Holzlabel beachten: beim Kauf von ausländischem Holz sollte man auf das international verbreitete und anerkannte FSC-Label achten. Es garantiert einen nachhaltigen Holzeinschlag, der ökologisch ist. Zertifikate von Holzgesellschaften und Behörden sind häufig keine Garantie für Nachhaltigkeit.

Als nächstes widmet sich die Ausstellung dem Thema Elektrogeräte, mit besonderem Fokus auf Handys. Ich lese:

Wertvolles Handy als Wegwerfware: Pro Jahr gehen in der Schweiz zwei Millionen Handys über den Ladentisch und bleiben 18 Monate in Betrieb. Danach weichen sie neueren Modellen – zusammen füllen sie einen Güterzug mit neun Wagen. In den entsorgten Handys stecken über 40 Tonnen Kupfer. Die grössten Kupferminen der Welt befinden sich in den Regenwäldern von Brasilien, Papua Neu Guinea, Indonesien und der Demokatischen Republik Kongo.

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Sehr interessant finde ich die Visualisierung des SBB-Cargo Güterzugs am unteren Teil des Schaubildes. Es zeigt auf, wie viele Tonnen Rohmetalle durch den sorglosen Konsum von neuen Handys anfallen: neben den oben erwähnten 40 Tonnen Kupfer sind es 19 Tonnen Aluminium, nochmal so viel für Gold, Silber, Zinn, Kobalt, Chrom, Blei, Nickel, Titan, Zink und das wertvolle Palladium. 17 Tonnen Eisen werden verschwendet und so geht die Auflistung weiter. Das muss nicht sein! Wir können unsere Handys ein paar Jahre behalten und damit aktiv ein Zeichen gegen die Verschwendung von wertvollen Ressourcen setzen.

Dazu die Konsumententipps vom Zoo:

  • Den Nutzen der Geräte verlängern: gute, langlebige und qualitativ hochwertige Geräte kaufen (weg von der Schnäppchen-Mentalität, das tut der Umwelt nicht gut). Kaputte Geräte reparieren lassen. Eine weitere Möglichkeit ist es, nicht mehr benötigte Geräte weiterzugeben und Secondhand-Geräte zu kaufen. Geräte, die man selten braucht, kann man bei Freunden oder evtl. im Baumarkt ausleihen.
  • Wertvolle Materialien recyceln: Elektrogeräte und Batterien sollte man an den Bezugsort zurückbringen und nicht wegwerfen. PET Leergut, Glas, Metall und Plastik können an die Sammelstellen gebracht werden. Alten Goldschmuck kann man neu verarbeiten lassen.
  • Mithelfen, Energie und Ressourcen zu sparen: Anstatt Alu-Getränkedosen lieber Glas oder PET-Flaschen verwenden, anstatt Alufolie lieber Klarsichtfolie. Handzerstäuber sind besser als Spraydosen. Auf Geldanlagen verzichten, die den Handel mit Bodenschätzen zum Inhalt haben.

Schön, dass der Zoo Zürich seine Besucherinnen und Besucher auf so gute Weise für das Thema der endlichen Ressourcen sensibilisiert!

Interessiert Dich das Thema? Ich habe dazu auch folgende Beiträge publiziert. Sie fassen ein spannendes Buch zusammen: „Die Kultur der Reparatur“. Schau doch mal rein!
Die Kultur der Reparatur
Die Kultur der Reparatur – zweiter Beitrag
Geplante Obsoleszenz – eingebaute Schwachstellen in Geräten
Tauschen und Teilen – Alternativen zum Konsum
Die groβen Hebel für kleine ökologische Fuβabdrücke
Irreparables Design – muss das sein?
Unser tägliches Zeug gib uns heute…
The world in our hands
9 Schritte zum erfolgreichen Reparieren

 

 

 

Büchern Beine machen – mit Bookcrossing

imagesDas Internet ist eine Wundertüte! Mit Bookcrossing.com kann man seine gelesenen Bücher auf Reisen schicken. Dazu sind drei Schritte nötig:

circle_labelgraphicErstens – man registriert sein Buch bei Bookcrossing und erhält eine ID-Nummer, die man auf einen herunterladbaren Aufkleber druckt und in das Buch klebt.

circle_sharegraphicZweitens: man teilt das Buch. Das kann man tun, indem man es weitergibt – „an einen Freund, einen Fremden, einen fremden Freund oder einen freundlichen Fremden“. Oder, indem man sein Buch in die Freiheit entlässt und auf Reisen schickt, zum Beispiel, indem man es auf einer Parkbank liegenlässt, bei einer Bushaltestelle oder im Zug.

circle_followgraphicDrittens: man verfolgt die Reise des Buchs. Dazu Bookcrossing sinngemäss: Wenn ein anderer Leser das Buch findet, kann er die Bookcrossing-ID eingeben und mitteilen, dass er es gefunden hat. Journaleinträge zum Buch lassen den Sender wissen wo es ist, wer es gerade liest, und wohin es als nächstes reisen wird. Manche Bücher bleiben eher in einer Region, während andere wirklich weit herumkommen! Das Buch berührt vielleicht das Leben eines Lesers, dem der Vorbesitzer niemals begegnet wäre, oder es macht einfach nur die Runde unter seinen Freunden.

share_benchgraphicÜber die Plattform haben (zum Zeitpunkt, als der Website Text geschrieben wurde) mehr als 900.000 BookCrosser gemeinsam fast sieben Millionen Bücher registriert, die in ungefähr 130 Ländern reisen! Was für eine fantastische Idee! Eine Statistik zeigt, welche Bücher gerade in die Freiheit entlassen wurden. Ich werde es auch ausprobieren!

Auf Bookcrossing.com bin ich übrigens über einen Artikel im Online Magazin Krautreporter gestossen, den ein Freund im Facebook postete (danke, Ralph!). Der Artikel 66 Dinge, die du jetzt sofort wegwerfen solltest, den ich anfangs mit Skepsis anlas (wirfsnichtweg ist für einen achtsamen Umgang mit Dingen!), begeisterte mich nur schon dieser Information wegen. Wegwerfen und entsorgen will gekonnt gemeistert werden!

P.S. Wer immer dies von Bookcrossing.com liest möge mir nachsehen, dass ich so frei war, die Icons der Website für meinen Blogbeitrag verwendet habe – ist ja für einen guten Zweck!

 

Neulich im Hallenbad

Als ich kürzlich schwimmen war dachte ich an die Unmengen an Wasser und Chemikalien, die so ein Schwimmbad benötigt. Und daran, dass alles, was zu viel benötigt oder produziert wird – Wasser, Abfall, Plastik, Dieselabgase – gar nicht die Chance hätte, die Umwelt zu belasten, wenn wir, die Menschen, nicht wären. Konsequent zu Ende gedacht: würde ich das Hallenbad missen wollen? Nein, würde ich nicht! Damit gebe ich mein stillschweigendes, passives Einverständnis für den Wasser- und Chemikalienverbrauch. Mein aktives Einverständnis zahle ich sogar am Schwimmbadeingang in Form des Eintritts.

Während ich nach dem Schwimmen auf dem Weg in die Umkleidezone darüber nachdachte, sticht mir etwas ins Auge:
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Wassersparer an den Wasserhähnen! Ein Lächeln bahnt sich den Weg. Wenn schon Hallenbad, dann am besten eins, das sorgsam mit den Ressourcen umgeht. Wer an den Wasserhähnen Aqua Click installiert, bei dem ist die Chance gross, dass er auch sonst auf einen schonenden Umgang mit den Ressourcen achtet. Nachgefragt habe ich allerdings noch nie. Der kleine Aqua Click hat mich inspiriert, künftig genauer hinzusehen.

Aus vielen kleinen Tropfen entsteht ein See. Danke an das Hallenbad Lättich: http://www.baar.ch/de/kulturfreizeit/schwimmbad/hallenbad/

Taste the waste und die Frage der kritischen Masse

„Die geplante Obsoleszenz ist schon problematisch genug, noch mehr anzuprangern ist aber das gezielte Wegwerfen noch voll funktionsfähiger Produkte, sei es aus einer individuellen Konsumlaune heraus, sei es über staatliche Programme, wie die Abwrackprämie für ältere Fahrzeuge ohne Katalysator, oder sei es aufgrund von Überproduktion wie insbesondere in der Lebensmittelindustrie.“ Das schreibt Wolfgang M. Heckl in seinem Buch „Die Kultur der Reparatur“, mit dem ich mich in zahlreichen Blogbeiträgen auseinandergesetzt habe. Im letzten Kapitel geht es um Auswege aus der Wachstumsspirale. Hierzu passt auch die Fragestellung, wozu Müll noch gut sein kann. Einige Beiträge dazu schrieb ich schon: die Papiertüten des Fairtrade-Ladens Claro in: Kaffeeblüten-Honig aus Guatemala, eine andere Art des Umgangs mit Müll in: Kunst aus Abfall oder die Verwendung von Müll für Alltagsgegenstände in: Wirfsnichtweg!

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90 Millionen Tonnen Nahrung verschwendet
In Deutschland landen pro Jahr rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel auf Müllkippen, in Europa sind es an die 90 Millionen Tonnen. Eine unvorstellbar hohe Zahl! Gemäss einer Studie der Universität Stuttgart im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aus dem Jahr 2012 bringt es der durchschnittliche Bürger jährlich auf rund 100 kg, schreibt Heckl.

Widerstand regt sich. Die Bewegung der Dumpster und Dumpdiver – zu Deutsch: Mülltauchen oder Containern – sind ein Ausdruck dieses Protests. Sie holen Lebensmittel, die weggeworfen werden, aber noch gut sind. Fundort: Container von Supermärkten, Discountern, Markthallen oder Restaurants. Das Ziel dahinter ist nicht nur, sich aus einer Not heraus zu ernähren, oder damit auf Überproduktion und die Essensvernichtung aufmerksam zu machen, sondern vor allem um das Teilen, das Foodsharing. Gesammelt werden Lebensmittel, die originalverpackt weggeworfen werden, weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, Früchte, die kleine Stellen haben, Produkte, die eingedellte Verpackungen haben und deshalb vom Konsumenten nicht gekauft werden, beispielsweise Dosen mit Dellen. Mülltaucher und Foodsharer sind sehr kreativ, sie stellen die Lebensmittel auf unterschiedlichste Art und Weise zur Verfügung – in ihrem eigenen Kreis, in Stadtteilen oder Städten. Andere kochen daraus leckere Mittagsgerichte, füllen sie in recycelbare Glasbehälter ab und verkaufen sie in der Stadt. Ein Lieferservice – selbstverständlich mit dem Fahrrad – wird dazugeboten. Ein lesenswerter Beitrag findet sich hier: Resteveredelung-Artikel in der Zeitschrift „Horizonte“ Ein Ansatz, den ich auch sehr gut finde sind Lebensmittelgeschäfte, bei denen gar nicht erst so viel Verpackungsmüll und Reste entstehen, weil die Kunden sich die Mengen bedarfsgerecht „zapfen“ können, wie Lunzers Massgriesslerei, vorgestellt vom Blog Widerstandistzweckmässig.

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Lunzers Massgreisslerei. Foto von http://www.widerstandistzweckmässig.wordpress.com

Heckl schreibt dazu: „Nichts verkommen lassen ist also nicht mehr nur Ausspruch der Nachkriegsgeneration, nicht mehr Verzichtsappell aufgrund einer Mangelwirtschaft, sondern ein Appell, in Zeiten einer Überflussgesellschaft moralisch zu handeln, überschüssige Ware Bedürftigen zukommen zu lassen, statt sie wegzuschmeißen.“ In die gleiche Richtung geht der Trend der Gemeindehilfsnetzwerke (z.B. Gemeinwohlökonomie), der Gratisökonomie mit ihren Umsonstläden oder der Tauschbörsen.

Einer für alle, alle für einen
Ich beobachte, dass Hilfsgemeinschaften und Nachbarschaftsnetzwerke im Rahmen der Shared Economy, genossenschaftlich organisierte non-profit Unternehmen und Fair Trade Organisationen, die allesamt nach dem Prinzip „einer für alle, alle für einen“ folgen, immer mehr in Mode kommen! Noch findet die Abkehr von volkswirtschaftlichen Wachstumsmodellen erst im Kleinen statt. Steigt der Leidensdruck aufgrund des Bevölkerungswachstums und der immer knapper und damit teurer werdenden Ressourcen, werden solche Modelle immer mehr Zulauf bekommen. Es ist nur eine Frage der kritischen Masse!

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Zum Buch „Die Kultur der Reparatur“ von Wolfgang M. Heckl schrieb ich bisher folgende Beiträge:
Die Kultur der Reparatur – Einführung
Arbeitsteilige Fertigung vs. Ganzheitlichkeit
Geplante Obsoleszenz – eingebaute Schwachstellen in Geräten
Die großen Hebel für kleine ökologische Fußabdrücke
Irreparables Design – muss das sein?
The world in our hands
9 Schritte zum erfolgreichen Reparieren
Der Lohn der Reparatur
Aus der Wachstumsspirale ausbrechen

Post von der Schweizerischen Nationalbank

Geldscheine werden in verschiedenen Ländern aus Polymeren (Kunststoff) gefertigt. Sie werden dadurch langlebiger und tragen auch nicht so viele Bakterien und Viren auf sich. Darüber las ich einen Artikel in welt.de. Sofort kam mir die Idee, dass man dafür recyceltes Plastik verwenden könnte. Man würde zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: die Verbreitung von Krankheiten eindämmen und gleichzeitig Umwelt und Ressourcen schonen. Darüber schrieb ich Ende April den Beitrag:  Rochade: Plastik gegen Krankheitserreger.

Inspiriert durch einige Kommentare schrieb ich der Schweizerischen Nationalbank und fragte, ob die Verwendung von recyceltem Kunstoff für die Banknotenproduktion eine Option sei. Heute erhielt ich Post in meine Inbox, eine Antwortmail! Ich habe mich sehr gefreut, dass die Schweizerische Nationalbank auf meine Frage eingetreten und sie kompetent beantwortet hat:

An unsere Banknoten werden hohe Qualitätsanforderungen gestellt, insbesondere an Lebensdauer, Fälschungssicherheit und Umlauffähigkeit. Ein wesentliches Merkmal der Banknoten ist das Substrat. Wenn recyceltes Material verwendet wird, ist es möglich, dass unerwünschte Verunreinigungen die Umlaufqualität beeinträchtigen. Technische Lösungen in diesem Zusammenhang sind noch nicht genügend ausgereift und daher für die Produktion der Banknoten noch nicht einsetzbar.

Die Aussage, technische Lösung seien noch nicht genügend ausgereift und daher noch nicht einsetzbar, klingt doch immerhin schon danach, als würde man daran arbeiten.

Es bleibt zu hoffen, dass innovative Materialexperten bald ein neues Verfahren entwickeln. Substrat aus recyceltem Kunststoff für die Banknotenproduktion – das wäre doch was!!!

 

Rochade: Plastik gegen Krankheitserreger

Heute las ich einen Beitrag über eine groß angelegte Untersuchung von Bakterien und Krankheitserregern auf Geldscheinen auf welt.de: „Geld ist viel dreckiger als gedacht“.

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Darin stand auch, dass Geldscheine aus Polymeren für Krankheitserreger keinen so geeigneten Nährboden wie Papierscheine bieten.

Und da kam mir die Idee, den Plastikmüll dieser Welt für Geldscheine zu recyceln. Geldscheine wehen nämlich nicht in die Weltmeere und verunreinigen unsere Umwelt. Sie zersetzen sich auch nicht zu Mikroplastik, der in die Organismen von Menschen und Tieren gelangt. Denn auf das Geld passen die Menschen viel besser auf, als auf die Umwelt!

 

Rochade: Plastik gegen Krankheitserreger

Heute las ich einen Beitrag über eine groß angelegte Untersuchung von Bakterien und Krankheitserregern auf Geldscheinen auf welt.de: „Geld ist viel dreckiger als gedacht“.

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Darin stand auch, dass Geldscheine aus Polymeren für Krankheitserreger keinen so geeigneten Nährboden wie Papierscheine bieten.

Und da kam mir die Idee, den Plastikmüll dieser Welt für Geldscheine zu recyceln. Geldscheine wehen nämlich nicht in die Weltmeere und verunreinigen unsere Umwelt. Sie zersetzen sich auch nicht zu Mikroplastik, der in die Organismen von Menschen und Tieren gelangt. Denn auf das Geld passen die Menschen viel besser auf, als auf die Umwelt!

 

The world in our hands

Meine Serie des Buches „Die Kultur der Reparatur“ von Wolfgang M. Heckl geht weiter! Diesmal: „The world in your hands: Packen wir’s an!“. Es ist das vierte Kapitel dieses bemerkenswerten Buchs, über das ich bereits mehrere Beiträge schrieb.

World in your handsDie Protagonisten der neuen Bewegung der Reparatur sind nicht nur ältere Reparaturfreaks. Das zeigt sich am Retro-Trend, beispielsweise bei der Rückbesinnung auf die Klangqualität von Vinylplatten. Es zeigt sich aber auch an den Youtube-Tutorials, das sind Videos, die aufzeigen, wie man jedes erdenkliche Gerät, Kleidungsstück oder sonstiges Ding reparieren kann. Auch das Entstehen von Repair Cafés oder die Bewegung der „Shared Economy“, bei der das Prinzip des Teilens im Vordergrund steht, sind die sichtbaren Vorboten dieser Bewegung. Nicht mehr Eigentümer zu sein, sondern Besitzer für eine gewisse Zeit, wird attraktiver. Beispiel Car Sharing, Couchsurfing, Tauschbörsen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIm Unterkapitel „Achtsamkeit und andere Soft Skills der Reparatur“ hat mir vor allem der einleitende Satz gefallen: „Die Kultur der Reparatur basiert auf Kenntnissen, auf Können, auf analytischem Denken, aber auch auf Lebensklugheit, auf Wertschätzung und, vor allem, Achtsamkeit.“ Achtsam ist, wer Geräte wartet und pflegt, beispielsweise Waschmaschinen. Mit einer sorgfältigen Entkalkung bleiben sie länger einsatzfähig und brauchen ganz nebenbei auch weniger Strom. Wenn die Heizstäbe verkalkt sind, benötigen sie mehr Energie, um auf die Temperatur zu kommen, die für den Waschgang eingestellt wurde. Bei Flugzeugen erfolgt die Wartung zur Prävention von Schaden, schließlich geht es bei fehlender Achtsamkeit um Leben und Tod. Heckl schreibt dazu: „Sorgfältige Untersuchungs- und Reparaturpläne in regelmäßigen Wartungszyklen sind also ein kluges Prinzip, um Schlimmstes zu verhindern, um das Risiko eines Schadens so weit wie irgend möglich zu reduzieren.“

Achtsamkeit2kl.Wer etwas von A bis Z ausführen kann, ist den Dingen weniger entfremdet, was unsere Autonomie und das Selbstvertrauen stärkt. Die Mechanik wird jedoch immer stärker von Sensorik verdrängt, die die Dinge für uns erledigt: vor allem die berührungslosen Dinge wie Wasserhähne mit Sensoren, Seifenspender, Handtrockner, Türen, Ampeln. Klar, das mag hygienischer sein, aber auch ich finde es viel schöner, wenn ich bei einer Handtuchrollen-Maschine so viel Handtuch herausziehen kann, wie ich selber meine zu brauchen. Ein Sensor gibt kein Feedback wie es ein Knopf tut. Aktion und Reaktion sind nicht spürbar. Auch ich gehöre noch zu den Menschen, denen das „Klick“-Geräusch gefällt. Ich mag mich nicht zu sehr von Sensoren bevormunden lassen.

AmpelmännchenWarum hat der iPad so einen riesigen Erfolg? Weil man wischen und rütteln, drehen und tasten, zoomen und tippen, greifen und scrollen kann. Genau genommen ist bei den iPads die Mechanik nur vorgetäuscht, denn „die mechanische Bewegung der Finger wird ja über elektrosensorische Elemente aufgenommen und löst nicht mehr die […] mechanischen Antworten aus. Aber die Wirkung erscheint natürlich.“ Und weiter: „Die Entwicklung unserer Hände zu komplexen Tast- und Greifwerkzeugen war eine wesentliche Voraussetzung für die Menschwerdung.“

Neben der Entfremdung von Dingen und der Bevormundung durch Sensorik gibt es laut Heckl noch einen dritten Aspekt, der beim Verzicht auf die Mechanik eintritt: den Verlust der unmittelbaren Erfahrung. Denn das Erschaffen von etwas setzt einen in direkte Beziehung dazu. Das gilt seiner Meinung nach nicht nur für das Reparieren, sondern auch für das Gärtnern, die Bearbeitung von Holz, von Textilien usw. Man könnte sich fragen, warum es so wichtig ist, etwas von A bis Z zu verstehen. Die Antwort: Um das umfassende Verständnis für Stoffkreisläufe zurückzugewinnen.

StoffkreislaufUnser Wohlstand wäre ohne technischen Fortschritt viel geringer. Wir würden heute noch schwerste körperliche Arbeit verrichten. Wir könnten uns ohne die Errungenschaften der digitalen Welt niemals weltumspannend vernetzen. „Dennoch ist das Handwerk durch nichts zu ersetzen: weil es an der Basis steht und sich elementarer Lebensbedürfnisse annimmt. Darüber hinaus bildet es eine unabdingbare Voraussetzung zur Weiterentwicklung und Anwendung von Naturerkenntnis. Dazu gehören nicht nur die physikalischen Grundprinzipien von Arbeit, Leistung, Energieumwandlung und -erhaltung, die ja bei jeder Maschine eine entscheidende Rolle spielen. […] Zum Handwerk gehört selbstverständlich auch die Auseinandersetzung mit Materialien, ihren physikalischen und chemischen Eigenschaften.“ Ein wahrhaft überzeugendes Plädoyer für das Handwerk, denke ich, während ich diese Sätze lese.

Ein abschließender kluger Gedanke dazu, wie sehr uns die Reparatur ganzheitlich fordert: Das Beispiel des Motorrads. Wenn es nicht anspringt, hören die Ohren, was nicht rund klingt oder die Nase riecht, wenn etwas am Auspuff nicht stimmt, die Augen analysieren, wo der Fehler liegen könnte, der Tastsinn wird für die Reparatur eingesetzt.

5 Sinne mit RahmenIn meinem nächsten Beitrag wird es praktischer: die neun Aktionspunkte von Heckl auf der „Road to Repairing – Step by Step“.

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Zum Buch „Die Kultur der Reparatur“ von Wolfgang M. Heckl schrieb ich bisher folgende Beiträge:
Die Kultur der Reparatur – Einführung
Arbeitsteilige Fertigung vs. Ganzheitlichkeit
Geplante Obsoleszenz – eingebaute Schwachstellen in Geräten
Die großen Hebel für kleine ökologische Fußabdrücke
Irreparables Design – muss das sein?

Unser tägliches Zeug gib uns heute…

Diese Woche möchte ich ein Buch empfehlen: „The story of stuff“ (die Geschichte vom Zeugs) von Annie Leonard. Wer lesefaul ist, kann sich auf der Website „The story of stuff“ einige gute 20-Minuten-Beiträge mit der Autorin selbst ansehen.

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Es gibt die Story of…

  • Stuff (Zeug)
  • Solutions (Lösungen)
  • Bottled water (Trinkwasser)
  • Cosmetics (Kosmetik)
  • Electronics (Elektronik)
  • Change (Veränderung)

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Das erste Video The story of stuff zeigt auf, dass die vermeintlich lineare Prozesskette vom Abbau der Rohstoffe über die Produktion, die Verteilung, den Konsum und die Wiederverwertung gar nicht so simpel ist. Sie ist eher wie ein Wolf im Schafspelz. Mir hat das schon etwas ältere, aber immer noch hochaktuelle Video (2007) gut gefallen, weil es informativ, gut recherchiert und toll gemacht ist.

20 gut investierte Minuten!

Originalversion in Englisch

Übersetzte Version in Deutsch