Endlich! Veggiebags bei der Migros!

Bei meinem letzten Einkauf in der Migros fand ich in der Frucht- und Gemüseabteilung Veggiebags. Mein Herz schlug höher! Klasse, endlich Ersatz für die Einwegtüten für das Gemüse und die Früchte.

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Es sind leichte Stofftaschen, aus fein gewobenem Polyesterstoff gefertigt (ob das wohl aus recyceltem Plastik ist? Ich werde bei der Migros nachfragen). Am oberen Ende haben sie eine Zugkordel, um den Veggiebag nach Einfüllen schliessen zu können. Waschbar sind die Beutel bis 30 Grad in der Waschmaschine, das Eigengewicht beträgt 7 Gramm. An der Seite ist eine Etikette eingenäht, auf die man die Barcode Stickers mit dem Gewicht und dem Preis aufkleben (und wieder ablösen) kann.

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Migros schreibt dazu auf der Veggiebag-Etikette: „Schaffen Sie neue Gewohnheiten. So helfen Sie mit, wertvolle Ressourcen zu sparen und Abfall zu reduzieren.“ Bravo, Migros!

In einer Veggiebag Verpackung sind vier Beutel drin, Kostenpunkt 6.90 Franken. Maria von Widerstandistzweckmässig hat ganz sicher noch Ideen, wie man solche Bags selber machen kann. Dennoch möchte ich diesen Beitrag bloggen, weil ich es ein sehr positives Zeichen finde, dass der grösste Schweizer Detailhandelsriese, die Migros, aufgewacht ist!

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Aufruf an alle: holt Euch auch die Veggiebags und spart Plastiktüten ein. Wenn jeder das macht, haben wir bald Tonnen von Plastik eingespart!

Zum Thema des Umgangs mit Plastik habe ich auch die unten aufgelisteten Beiträge geschrieben — schau doch mal rein und hinterlasse mir einen Kommentar, ich freue mich auf Deinen Besuch!

„Sack welle?“
Rochade: Plastik gegen Krankheitserreger auf Geldscheinen
Post von der Schweizerischen Nationalbank zum Thema Geldscheine aus recyceltem Plastik
Sag mir wo die Flaschen sind…
Mikroplastik im „Naturprodukt“ Honig
Kunst aus Abfall

 

 

 

 

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Trial and Error – Probieren geht über Studieren!

20161026_104101Built to last? Mitnichten! Dieses schöne Armband hatte ich unter anderem erstanden, weil es auf Metalldrähte aufgereiht und mit einem Magnetverschluss versehen ist. Prima, dachte ich, das sieht stabil aus und wird nicht so schnell kaputt gehen.

Umso grösser war die Enttäuschung, als sich ein Metalldraht löste und alle Scheiben, Perlen und Anhänger zu Boden gingen. Mein erster Gang war der zum Laden, um um eine Reparatur zu bitten. Mitleidiger Blick. „Tut uns leid. Wir kreieren den Modeschmuck nicht selbst, sondern bestellen ihn. Da können wir leider nicht weiterhelfen.“ Hätte ich mir ja denken können. Von einer Kultur der Reparatur sind wir noch meilenweit entfernt.

Also selber reparieren! Plan A war, die losen Teile auf einen elastischen20161026_104117 Faden aufzureihen, diesen zu verknoten und damit ein separates Armband zu haben. Ich würde es einzeln oder auch zu den verbleibenden beiden Reifen mit dem Magnetverschluss tragen können. Zugegeben, das war schon eher die pragmatische Lösung, aus der Not eine Tugend zu machen. Aber durchaus praktikabel, wie ich dachte. Gesagt, getan. Vorsichtshalber — oder sagen wir lieber glücklicherweise! — schnitt ich den leeren Metalldraht vom Armband noch nicht ab. Denn das Aufreihen entpuppte sich als elende Fummelarbeit, da das textile Ende des elastischen Bands immer wieder fadenartig ausfranste und sich die Scheiben und Perlen gar nicht gut aufreihen liessen.

Einen elastischen Nylonfaden hatte ich nicht. Sollte ich die Reparaturarbeit beiseite legen und erst einen Nylonfaden kaufen? Nein! Heftiger Protest in mir. Nun sitzt Du schon dran, zieh das jetzt durch! Sonst wird das am Sankt Nimmerleinstag (also nie) fertig. 20161026_120806

Plan B war schnell zur Hand. Ich holte Sekundenkleber. Wieder ärgerte ich mich: Ich hatte extra die Mini-Variante der Sekundenkleber Tuben gekauft, weil die grösseren Tuben immer  viel zu schnell austrocknen. Ich versuchte, die erst einmal benutzte Mini-Tube zu öffnen. Fehlanzeige! Die Klebetülle war so fest mit dem Deckel verklebt, dass ich beim Aufdrehen Kraft anwenden musste. Mit dem Resultat, dass die Tülle samt Deckel abbrach. Fast lief mir der Sekundenkleber über die Finger. Mir war sofort klar, dass nur noch ein Klebevorgang möglich sein würde, da die Tube nicht mehr verschliessbar war. Was für eine Verschwendung! Die restliche Klebe würde unbrauchbar werden. Metalltube, Plastik, Restkleber — alles Ressourcen für den Müll. Ich bin überzeugt, die Klebeindustrie könnte das Problem lösen. Aber dann würden sie deutlich weniger Sekundenkleber verkaufen. Geld regiert die (Um)welt!

Ich zog also die losen Teile auf den Metalldraht des Armbands auf, 20161026_123117 benetzte das Ende des Metalldrahts sorgfältig von allen Seiten und brachte den Klebstoff auch in den äusseren Metallverschluss ein, in den auch die anderen beiden Drähte mündeten. Jetzt nur aufpassen, dass das Zeug nicht an die Finger kommt! Vorsichtig steckte ich die Teile wieder zusammen und drückte es eine Weile fest, dann fixierte ich das Armband zum Trocknen und benutze es seither wieder mit grosser Freude!

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20161026_122710Die zweite Reparatur war deutlich einfacher: mein Sohn hatte ein Steinarmband, das ihm kaputtgegangen war. Neu auf den elastische Faden aufgereiht, einen Dreifachknoten rein, fertig! Schnelle Sache. Es blieb sogar noch Zeit, einen kleinen Kartengruss (Zweitverwertung eines Kalenderbilds und eines Geschenkbands) an das reparierte Armband anzubringen und es ihm auf sein Kopfkissen zu legen. Gross war die Freude, als er es beim nächsten Besuch daheim fand. Aber wahrscheinlich habe ich mich noch viel mehr gefreut als er! Erstens über seine Freude, zweitens, weil es mir einmal mehr gutgetan hat, die Arbeit anderer Menschen zu ehren, indem ich die Dinge repariere und drittens, weil ich dabei ganz nebenbei Ressourcen schone und die Lebensdauer der Dinge verlängern kann.

Tutorial – Holztisch abziehen und ölen

Galerie

Diese Galerie enthält 11 Fotos.

Das Holz unseres Tisches war ganz grau geworden —  das war mir schon lange ein Dorn im Auge. So beschloss ich in den Sommerferien, das gute Stück mal aufzunorden und ihm ein wenig Pflege angedeihen zu lassen. Zeitaufwand ca. 4 Stunden. … Weiterlesen

Ohne Moralpredigt für die Umwelt sensibilisieren

Heutzutage traut man sich als Weltenbürger ja fast schon nicht mehr, zu atmen! Man könnte ja zu viel Sauerstoff beanspruchen… Fleisch essen? Das braucht um Faktoren mehr Wasser, als Gemüse… Auto fahren? Längst liebäugelt man mit einem E-Auto, während man den Zündschlüssel des Diesels dreht und der Motor losrattert…

Die notorischen Gewissensbisse suggerieren, dass man noch viel mehr für die Umwelt tun könnte, sollte, müsste. Man kann sich zwar im Kleinen für die Umwelt engagieren, beispielsweise indem man Dinge repariert, anstatt sie wegzuwerfen. Man kann die Kleidung ausbessern und damit die Näher(innen) wertschätzen. Man kann sich vor Neuanschaffungen fragen, ob es wirklich nötig ist, sie zu kaufen. Man kann Plastik konsequent trennen, ins Recycling geben und beim Kauf von Elektrogeräten auf eine gute Reparierbarkeit achten. Aber irgendwie scheint es doch nie auszureichen, denn die Schäden, die die Umwelt nimmt, werden grösser, nicht kleiner.

Ausstellungen, die dieses anhaltende schlechte Gefühl noch bestärken und den moralischen Zeigefinger erheben, machen alles nur noch schlimmer. Mich erreichen die Botschaften von solchen Ausstellungen nicht. Es gibt aber auch gute Beispiele von Ausstellungen, die sensibilisieren, ohne zu moralisieren. Im Zürcher Zoo fiel mir neulich eine Fotoausstellung auf, die nicht den Zeigefinger erhebt, sondern sachlich informiert – und konkrete Konsumententipps gibt. Das hat mir sehr gefallen!

Auf dem ersten Bild ist der durchschnittliche Papierkonsum pro Person und Jahr in der Schweiz veranschaulicht: 296 kg. Als Vergleich dazu der Verbrauch in Afrika mit 6 kg.

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In meinem Beitrag Die Papierflut schrieb ich über den ganz normalen Wahnsinn überquellender Briefkästen mit ungewünschter Werbung und Gratiszeitungen. Nach konsequentem monatlichen Abbestellen oder Zurücksenden unerwünschter Sendungen (hier in der Schweiz mit dem Vermerk „refusée“ kostenfrei möglich) bekomme ich tatsächlich deutlich weniger Papier. Die Tages- ist auf eine Wochenzeitung umgestellt, News lese ich auf dem Handy. Auch nutze ich meinen Scanner viel häufiger, als den Kopierer und habe mir angewöhnt, wo möglich Papier zu vermeiden und nur noch elektronisch zu archivieren. In diesem Bereich können wir als Konsumenten viel machen!

Wenn möglich, solle man auf Tropenholz verzichten, denn dies öffne der Wilderei Tür und Tore. Auch hier bin ich gut dabei, ich kaufe grundsätzlich nur Hölzer aus zertifiziertem Anbau.

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Positiv überrascht sehe ich eine weitere Schautafel mit sehr brauchbaren Tipps für Konsumenten:

  • Art und Herkunft des Holzes beachten: beim Kauf von Holz und Holzprodukten soll man auf die Kennzeichnung von Holzart und -herkunft. achten. Optimal ist heimisches Holz mit dem FSC-Label.
  • Nachfragen, falls die Deklaration unklar ist: Wenn der Händler keine Deklaration der Holzart und des Herkunft abgibt, fragen.
  • Kein Tropenholz kaufen: Auf Tropenholz (auch Teak) verzichten. Es gibt für alle Tropenhölzer einen europäischen Ersatz, ausser für Balsaholz. Dieses Holz hat einzigartige Eigenschaften. Anstatt Teak kann man Robinie verwenden.
  • Holzlabel beachten: beim Kauf von ausländischem Holz sollte man auf das international verbreitete und anerkannte FSC-Label achten. Es garantiert einen nachhaltigen Holzeinschlag, der ökologisch ist. Zertifikate von Holzgesellschaften und Behörden sind häufig keine Garantie für Nachhaltigkeit.

Als nächstes widmet sich die Ausstellung dem Thema Elektrogeräte, mit besonderem Fokus auf Handys. Ich lese:

Wertvolles Handy als Wegwerfware: Pro Jahr gehen in der Schweiz zwei Millionen Handys über den Ladentisch und bleiben 18 Monate in Betrieb. Danach weichen sie neueren Modellen – zusammen füllen sie einen Güterzug mit neun Wagen. In den entsorgten Handys stecken über 40 Tonnen Kupfer. Die grössten Kupferminen der Welt befinden sich in den Regenwäldern von Brasilien, Papua Neu Guinea, Indonesien und der Demokatischen Republik Kongo.

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Sehr interessant finde ich die Visualisierung des SBB-Cargo Güterzugs am unteren Teil des Schaubildes. Es zeigt auf, wie viele Tonnen Rohmetalle durch den sorglosen Konsum von neuen Handys anfallen: neben den oben erwähnten 40 Tonnen Kupfer sind es 19 Tonnen Aluminium, nochmal so viel für Gold, Silber, Zinn, Kobalt, Chrom, Blei, Nickel, Titan, Zink und das wertvolle Palladium. 17 Tonnen Eisen werden verschwendet und so geht die Auflistung weiter. Das muss nicht sein! Wir können unsere Handys ein paar Jahre behalten und damit aktiv ein Zeichen gegen die Verschwendung von wertvollen Ressourcen setzen.

Dazu die Konsumententipps vom Zoo:

  • Den Nutzen der Geräte verlängern: gute, langlebige und qualitativ hochwertige Geräte kaufen (weg von der Schnäppchen-Mentalität, das tut der Umwelt nicht gut). Kaputte Geräte reparieren lassen. Eine weitere Möglichkeit ist es, nicht mehr benötigte Geräte weiterzugeben und Secondhand-Geräte zu kaufen. Geräte, die man selten braucht, kann man bei Freunden oder evtl. im Baumarkt ausleihen.
  • Wertvolle Materialien recyceln: Elektrogeräte und Batterien sollte man an den Bezugsort zurückbringen und nicht wegwerfen. PET Leergut, Glas, Metall und Plastik können an die Sammelstellen gebracht werden. Alten Goldschmuck kann man neu verarbeiten lassen.
  • Mithelfen, Energie und Ressourcen zu sparen: Anstatt Alu-Getränkedosen lieber Glas oder PET-Flaschen verwenden, anstatt Alufolie lieber Klarsichtfolie. Handzerstäuber sind besser als Spraydosen. Auf Geldanlagen verzichten, die den Handel mit Bodenschätzen zum Inhalt haben.

Schön, dass der Zoo Zürich seine Besucherinnen und Besucher auf so gute Weise für das Thema der endlichen Ressourcen sensibilisiert!

Interessiert Dich das Thema? Ich habe dazu auch folgende Beiträge publiziert. Sie fassen ein spannendes Buch zusammen: „Die Kultur der Reparatur“. Schau doch mal rein!
Die Kultur der Reparatur
Die Kultur der Reparatur – zweiter Beitrag
Geplante Obsoleszenz – eingebaute Schwachstellen in Geräten
Tauschen und Teilen – Alternativen zum Konsum
Die groβen Hebel für kleine ökologische Fuβabdrücke
Irreparables Design – muss das sein?
Unser tägliches Zeug gib uns heute…
The world in our hands
9 Schritte zum erfolgreichen Reparieren

 

 

 

Büchern Beine machen – mit Bookcrossing

imagesDas Internet ist eine Wundertüte! Mit Bookcrossing.com kann man seine gelesenen Bücher auf Reisen schicken. Dazu sind drei Schritte nötig:

circle_labelgraphicErstens – man registriert sein Buch bei Bookcrossing und erhält eine ID-Nummer, die man auf einen herunterladbaren Aufkleber druckt und in das Buch klebt.

circle_sharegraphicZweitens: man teilt das Buch. Das kann man tun, indem man es weitergibt – „an einen Freund, einen Fremden, einen fremden Freund oder einen freundlichen Fremden“. Oder, indem man sein Buch in die Freiheit entlässt und auf Reisen schickt, zum Beispiel, indem man es auf einer Parkbank liegenlässt, bei einer Bushaltestelle oder im Zug.

circle_followgraphicDrittens: man verfolgt die Reise des Buchs. Dazu Bookcrossing sinngemäss: Wenn ein anderer Leser das Buch findet, kann er die Bookcrossing-ID eingeben und mitteilen, dass er es gefunden hat. Journaleinträge zum Buch lassen den Sender wissen wo es ist, wer es gerade liest, und wohin es als nächstes reisen wird. Manche Bücher bleiben eher in einer Region, während andere wirklich weit herumkommen! Das Buch berührt vielleicht das Leben eines Lesers, dem der Vorbesitzer niemals begegnet wäre, oder es macht einfach nur die Runde unter seinen Freunden.

share_benchgraphicÜber die Plattform haben (zum Zeitpunkt, als der Website Text geschrieben wurde) mehr als 900.000 BookCrosser gemeinsam fast sieben Millionen Bücher registriert, die in ungefähr 130 Ländern reisen! Was für eine fantastische Idee! Eine Statistik zeigt, welche Bücher gerade in die Freiheit entlassen wurden. Ich werde es auch ausprobieren!

Auf Bookcrossing.com bin ich übrigens über einen Artikel im Online Magazin Krautreporter gestossen, den ein Freund im Facebook postete (danke, Ralph!). Der Artikel 66 Dinge, die du jetzt sofort wegwerfen solltest, den ich anfangs mit Skepsis anlas (wirfsnichtweg ist für einen achtsamen Umgang mit Dingen!), begeisterte mich nur schon dieser Information wegen. Wegwerfen und entsorgen will gekonnt gemeistert werden!

P.S. Wer immer dies von Bookcrossing.com liest möge mir nachsehen, dass ich so frei war, die Icons der Website für meinen Blogbeitrag verwendet habe – ist ja für einen guten Zweck!

 

Schnippeldisko für unverkäufliches Gemüse

Eine Schnippeldisko – was ist denn das? Als ich die Überschrift des Online Artikels las, wurde ich neugierig. Es geht um einen Event im Berliner Zentrum für Kunst und Urbanistik: Bei Tanzmusik wird knubbeliges Gemüse, das nicht verkauft werden kann, zu einer Suppe verarbeitet. Das Gemüse wird von lokalen Produzenten zur Verfügung gestellt, die Suppe wird den Teilnehmern an der für den Folgetag geplanten Demo „Wir haben es satt“ den Bauch wärmen. In Berlin werden dieses Jahr rund 1000 Teilnehmer erwartet, um die rund zwei Tonnen Gemüse zu verarbeiten! Der Termin ist der 15. Januar 2016.
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Die Schnippeldisko wurde erstmalig 2012 von Slow Food Youth und Partnern veranstaltet, viele Länder haben schon nachgezogen. Ich finde die Schnippeldisko eine hervorragende Aktion, um auf den Missstand der Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen und ein Zeichen zu setzen!

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Das Magazin, in dem der Artikel erschien heisst enorm Magazin. Schwerpunkt: Das enorm Magazin betrachtet Wirtschaftsmodelle, Unternehmen und Personen, die auf die wachsenden lokalen und globalen Herausforderungen in Gesellschaft & Umwelt reagieren und wertvolle Impulse geben. Die Online Version gibt es auch im Facebook, beide Auftritte haben mich sehr angesprochen, es sind spannende Artikel zum Umgang mit Ressourcen darin zu finden.

Weiterführende Links
Slow Food Youth (globale Seite)
Slow Food Youth Deutschland
Slow Food Youth Schweiz
Slow Food Youth Österreich

 

Geschenkverpackungen – Neuheiten

Galerie

Diese Galerie enthält 9 Fotos.

Neuheiten bei den Upcycling Geschenkverpackungen bei wirfsnichtweg! Weiterlesen

Neulich im Hallenbad

Als ich kürzlich schwimmen war dachte ich an die Unmengen an Wasser und Chemikalien, die so ein Schwimmbad benötigt. Und daran, dass alles, was zu viel benötigt oder produziert wird – Wasser, Abfall, Plastik, Dieselabgase – gar nicht die Chance hätte, die Umwelt zu belasten, wenn wir, die Menschen, nicht wären. Konsequent zu Ende gedacht: würde ich das Hallenbad missen wollen? Nein, würde ich nicht! Damit gebe ich mein stillschweigendes, passives Einverständnis für den Wasser- und Chemikalienverbrauch. Mein aktives Einverständnis zahle ich sogar am Schwimmbadeingang in Form des Eintritts.

Während ich nach dem Schwimmen auf dem Weg in die Umkleidezone darüber nachdachte, sticht mir etwas ins Auge:
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Wassersparer an den Wasserhähnen! Ein Lächeln bahnt sich den Weg. Wenn schon Hallenbad, dann am besten eins, das sorgsam mit den Ressourcen umgeht. Wer an den Wasserhähnen Aqua Click installiert, bei dem ist die Chance gross, dass er auch sonst auf einen schonenden Umgang mit den Ressourcen achtet. Nachgefragt habe ich allerdings noch nie. Der kleine Aqua Click hat mich inspiriert, künftig genauer hinzusehen.

Aus vielen kleinen Tropfen entsteht ein See. Danke an das Hallenbad Lättich: http://www.baar.ch/de/kulturfreizeit/schwimmbad/hallenbad/

Taste the waste und die Frage der kritischen Masse

„Die geplante Obsoleszenz ist schon problematisch genug, noch mehr anzuprangern ist aber das gezielte Wegwerfen noch voll funktionsfähiger Produkte, sei es aus einer individuellen Konsumlaune heraus, sei es über staatliche Programme, wie die Abwrackprämie für ältere Fahrzeuge ohne Katalysator, oder sei es aufgrund von Überproduktion wie insbesondere in der Lebensmittelindustrie.“ Das schreibt Wolfgang M. Heckl in seinem Buch „Die Kultur der Reparatur“, mit dem ich mich in zahlreichen Blogbeiträgen auseinandergesetzt habe. Im letzten Kapitel geht es um Auswege aus der Wachstumsspirale. Hierzu passt auch die Fragestellung, wozu Müll noch gut sein kann. Einige Beiträge dazu schrieb ich schon: die Papiertüten des Fairtrade-Ladens Claro in: Kaffeeblüten-Honig aus Guatemala, eine andere Art des Umgangs mit Müll in: Kunst aus Abfall oder die Verwendung von Müll für Alltagsgegenstände in: Wirfsnichtweg!

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90 Millionen Tonnen Nahrung verschwendet
In Deutschland landen pro Jahr rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel auf Müllkippen, in Europa sind es an die 90 Millionen Tonnen. Eine unvorstellbar hohe Zahl! Gemäss einer Studie der Universität Stuttgart im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aus dem Jahr 2012 bringt es der durchschnittliche Bürger jährlich auf rund 100 kg, schreibt Heckl.

Widerstand regt sich. Die Bewegung der Dumpster und Dumpdiver – zu Deutsch: Mülltauchen oder Containern – sind ein Ausdruck dieses Protests. Sie holen Lebensmittel, die weggeworfen werden, aber noch gut sind. Fundort: Container von Supermärkten, Discountern, Markthallen oder Restaurants. Das Ziel dahinter ist nicht nur, sich aus einer Not heraus zu ernähren, oder damit auf Überproduktion und die Essensvernichtung aufmerksam zu machen, sondern vor allem um das Teilen, das Foodsharing. Gesammelt werden Lebensmittel, die originalverpackt weggeworfen werden, weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, Früchte, die kleine Stellen haben, Produkte, die eingedellte Verpackungen haben und deshalb vom Konsumenten nicht gekauft werden, beispielsweise Dosen mit Dellen. Mülltaucher und Foodsharer sind sehr kreativ, sie stellen die Lebensmittel auf unterschiedlichste Art und Weise zur Verfügung – in ihrem eigenen Kreis, in Stadtteilen oder Städten. Andere kochen daraus leckere Mittagsgerichte, füllen sie in recycelbare Glasbehälter ab und verkaufen sie in der Stadt. Ein Lieferservice – selbstverständlich mit dem Fahrrad – wird dazugeboten. Ein lesenswerter Beitrag findet sich hier: Resteveredelung-Artikel in der Zeitschrift „Horizonte“ Ein Ansatz, den ich auch sehr gut finde sind Lebensmittelgeschäfte, bei denen gar nicht erst so viel Verpackungsmüll und Reste entstehen, weil die Kunden sich die Mengen bedarfsgerecht „zapfen“ können, wie Lunzers Massgriesslerei, vorgestellt vom Blog Widerstandistzweckmässig.

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Lunzers Massgreisslerei. Foto von http://www.widerstandistzweckmässig.wordpress.com

Heckl schreibt dazu: „Nichts verkommen lassen ist also nicht mehr nur Ausspruch der Nachkriegsgeneration, nicht mehr Verzichtsappell aufgrund einer Mangelwirtschaft, sondern ein Appell, in Zeiten einer Überflussgesellschaft moralisch zu handeln, überschüssige Ware Bedürftigen zukommen zu lassen, statt sie wegzuschmeißen.“ In die gleiche Richtung geht der Trend der Gemeindehilfsnetzwerke (z.B. Gemeinwohlökonomie), der Gratisökonomie mit ihren Umsonstläden oder der Tauschbörsen.

Einer für alle, alle für einen
Ich beobachte, dass Hilfsgemeinschaften und Nachbarschaftsnetzwerke im Rahmen der Shared Economy, genossenschaftlich organisierte non-profit Unternehmen und Fair Trade Organisationen, die allesamt nach dem Prinzip „einer für alle, alle für einen“ folgen, immer mehr in Mode kommen! Noch findet die Abkehr von volkswirtschaftlichen Wachstumsmodellen erst im Kleinen statt. Steigt der Leidensdruck aufgrund des Bevölkerungswachstums und der immer knapper und damit teurer werdenden Ressourcen, werden solche Modelle immer mehr Zulauf bekommen. Es ist nur eine Frage der kritischen Masse!

Dies könnte Dich auch interessieren:

Zum Buch „Die Kultur der Reparatur“ von Wolfgang M. Heckl schrieb ich bisher folgende Beiträge:
Die Kultur der Reparatur – Einführung
Arbeitsteilige Fertigung vs. Ganzheitlichkeit
Geplante Obsoleszenz – eingebaute Schwachstellen in Geräten
Die großen Hebel für kleine ökologische Fußabdrücke
Irreparables Design – muss das sein?
The world in our hands
9 Schritte zum erfolgreichen Reparieren
Der Lohn der Reparatur
Aus der Wachstumsspirale ausbrechen

Vom Surfen zum Handeln – Direkthilfe für Bosnien

Letzte Woche, irgendwann Abends, Füße oben, beim Facebooken. Unsere ehemalige Babysitterin Tereza postet, dass einige Hilfsaktionen für die Flutopfer im Balkan angelaufen sind. Meine Gedanken schweifen zuerst zu Tereza: wie sie vor vielen Jahren als Schülerin an unserem Haus vorbei lief, morgens mit dem Schulrucksack, Nachmittags mit der Gitarre. Das süße Mädel mit den lustigen Sommersprossen im hübschen Gesicht, die ich irgendwann einmal ansprach, ob sie wohl ab und zu bei uns babysitten könnte. Und damit einen Volltreffer landete, die Jungs mochten sie sehr. Nun sind alle erwachsen, die Jungs, Tereza – mein Gott, die Zeit vergeht.

Ihr Post macht mich neugierig: Ich frage sie per Facebook, ob auch im Nachbarort (wo ich sie immer noch wohnhaft wähne) gesammelt würde. Das weiß sie nicht, schreibt aber zurück, dass sie sich schlau machen werde. Am nächsten Tag bekomme ich die Nachricht, dass woanders gesammelt würde, Kleidung, Decken, alles, was Menschen brauchen, die bei einer solchen Flutkatastrophe alles verloren haben.

Kleidung habe ich. Sie liegt in drei großen, blauen IKEA Taschen auf dem Gästebett, bereit für den Flohmarkt. Darin: Kleidung, die mir nicht mehr passt oder die ich nicht trage. Einen Großteil habe ich bereits zum Second-Hand-Shop gebracht, wo sie bis Ende Juni eine neue Besitzerin finden sollen, doch der Shop hat nicht alles genommen, nur die „stylishen“ Markenstücke (die sind ganz schön wählerisch!). Der Plan ist, diese restliche, noch sehr gut erhaltene Kleidung, am Flohmarkt unter die Leute zu bringen. Günstig abgeben – ich will keine Geschäfte damit machen, mir ist es wichtig, dass die Sachen noch weiterverwendet werden. Denn sie sind noch gut, teilweise kaum getragen.

Spontan entscheide ich, Tereza die Kleidung für die Flutopfer zu geben. Sie fragt, ob ich am nächsten Abend da sei, ich sage zu und am nächsten Abend klingelt es an der Tür. Wir schließen uns in die Arme. Sie ist weiter gefahren, als ich dachte, denn inzwischen ist sie glücklich verheiratet, mit ihrem Mann umgezogen und arbeitet als Lehrerin. Ein schönes Wiedersehen!  Wir erfahren, dass ihr Bruder den Lastwagen mit der Ladung Hilfsgüter persönlich direkt zum Heimatort ihrer Familie in Bosnien-Herzegovina bringen wird. Die Menschen dort sind in einer Turnhalle untergebracht, teilweise passt ihr restliches Hab und Gut in zwei Kartons am Fußende der Matratze. Tereza zeigt uns ein paar Fotos auf ihrem Mobiltelefon. Sie sagt, es sei ihnen wichtig, die Hilfsgüter selber dorthin zu bringen, denn bei den Hilfsorganisationen wissen man nie, ob die Hilfe dort ankomme, wo man sie hinschicken wolle. Am nächsten Tag werde sie mithelfen, die Kisten für den Lastwagen zu packen.

Wir verstauen die Sachen in ihr Auto – zu der Kleidung packe ich noch Schuhe und vor allem Decken, Handtücher und Bettwäsche. Der Wagen ist voll! Wie lange wollte ich diese Sachen schon weggeben, ich bekam einiges von meinen Eltern, als ich auszog. Mit der Zeit wurde es zu viel, vieles hatte ich drei- und vierfach. Es waren aber zu gute Dinge, um sie einfach wegzutun. Nun bin ich glücklich, dass diese Dinge noch gebraucht werden können und einen Zweck erfüllen werden. Dafür gebe ich sie gerne weg, auch wenn ich noch daran hänge.

Schnell schreibe ich noch eine Karte an die Menschen in der Turnhalle, Tereza übersetzt es auf Bosnisch und schreibt die Grüße auf den unteren Teil der Karte. Sie fährt ab und ich denke: „Da fährt ein Engel!“

Am Tag darauf bekomme ich eine Facebook-Nachricht von Tereza und ein Foto. Es zeigt ihren Bruder in der Turnhalle, in der Hand die Karte, im Hintergrund die Menschen, die alles verloren haben. Ihr Bruder sei gut angekommen und sie wolle sich nochmal bedanken. Lange schaue ich mir das Foto an. Ich kenne Terezas Bruder nicht, aber ich bin beeindruckt von dieser Aktion. Was für ein toller, junger Mann! Und dass er sogar noch daran gedacht hat, ein Foto von sich mit meiner Karte zu machen! Beeindruckt denke ich an das große Engagement der jungen Leute: Lastwagen organisieren, zu Spenden aufrufen, Kisten packen, alles einladen, die lange Strecke fahren, auspacken. Sie geben ihre Freizeit und ihr Herzblut. Danke, Tereza, danke auch an Deinen Bruder!!!

BildIch spüre, dass ich glücklich bin. Das ganze Wochenende summe und singe ich vor mir her. Wie oft werden im Facebook Bilder von hilfsbedürftigen Menschen gepostet, von schwer kranken Kindern mit Wasserköpfen, deren Bilder man liken soll oder die man – noch schlimmer – mit „Amen“ kommentieren soll. Davon wird es diesen Kindern und den hilfsbedürftigen Menschen wohl kaum besser gehen. Ich kann diesen sensationshungrigen Voyeurismus in der virtuellen Welt nicht ausstehen!

Doch diesmal hat mir Facebook geholfen und mich zur richtigen Zeit mit der richtigen Person verbunden, so dass daraus eine Handlung werden konnte. Ich fühle mich dankbar und zutiefst mit den Helfern und den Opfern verbunden. Es ist schrecklich, was passiert ist – und doch tut es gut, die Solidarität zwischen Menschen zu spüren und sogar ein Teil davon sein zu dürfen!