Endlich! Veggiebags bei der Migros!

Bei meinem letzten Einkauf in der Migros fand ich in der Frucht- und Gemüseabteilung Veggiebags. Mein Herz schlug höher! Klasse, endlich Ersatz für die Einwegtüten für das Gemüse und die Früchte.

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Es sind leichte Stofftaschen, aus fein gewobenem Polyesterstoff gefertigt (ob das wohl aus recyceltem Plastik ist? Ich werde bei der Migros nachfragen). Am oberen Ende haben sie eine Zugkordel, um den Veggiebag nach Einfüllen schliessen zu können. Waschbar sind die Beutel bis 30 Grad in der Waschmaschine, das Eigengewicht beträgt 7 Gramm. An der Seite ist eine Etikette eingenäht, auf die man die Barcode Stickers mit dem Gewicht und dem Preis aufkleben (und wieder ablösen) kann.

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Migros schreibt dazu auf der Veggiebag-Etikette: „Schaffen Sie neue Gewohnheiten. So helfen Sie mit, wertvolle Ressourcen zu sparen und Abfall zu reduzieren.“ Bravo, Migros!

In einer Veggiebag Verpackung sind vier Beutel drin, Kostenpunkt 6.90 Franken. Maria von Widerstandistzweckmässig hat ganz sicher noch Ideen, wie man solche Bags selber machen kann. Dennoch möchte ich diesen Beitrag bloggen, weil ich es ein sehr positives Zeichen finde, dass der grösste Schweizer Detailhandelsriese, die Migros, aufgewacht ist!

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Aufruf an alle: holt Euch auch die Veggiebags und spart Plastiktüten ein. Wenn jeder das macht, haben wir bald Tonnen von Plastik eingespart!

Zum Thema des Umgangs mit Plastik habe ich auch die unten aufgelisteten Beiträge geschrieben — schau doch mal rein und hinterlasse mir einen Kommentar, ich freue mich auf Deinen Besuch!

„Sack welle?“
Rochade: Plastik gegen Krankheitserreger auf Geldscheinen
Post von der Schweizerischen Nationalbank zum Thema Geldscheine aus recyceltem Plastik
Sag mir wo die Flaschen sind…
Mikroplastik im „Naturprodukt“ Honig
Kunst aus Abfall

 

 

 

 

„Sack welle?“

Freitagabend, an der Coop Tankstelle, kurz nach dem Bezahlen meiner wie immer astronomisch hohen Dieseltankladung und noch ein paar Lebensmittel (die Läden waren natürlich mal wieder zu): Ich warte förmlich darauf… Tatsächlich kräht mir die Kassiererin zu: „Sack welle?“, zu Deutsch: „Tüte gewollt?“, alias: „Hätten sie gerne eine Plastiktüte?“. Am liebsten würde ich im Staccato zurückgeben: „Nei, Sack ned welle“. Eine Unart, diese Art von Kundenkommunikation. Wie wäre es mit ganzen Sätzen?

Ich schüttle den Kopf und krame aus meiner Handtasche eine der drei Mehrweg-Einkaufstaschen, die ich immer dabei habe. Die rote mit den weissen Punkten. Sie ist zusammengefaltet und steckt in einem kleinen Futteral, farblich passend zur Tragetasche. Meine Tragetasche ist zwar – wie die Plastiktüten auch – aus Kunststoff, aus Polyester, aber: sie wurde schon hundertfach verwendet, mindestens zweimal wöchentlich. Und: sie landet nicht irgendwo in der Müllverbrennung oder den Weltenmeeren.
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Die Augen der Kassiererin weiten sich. Oh, eine Kundin, die KEINE Plastiktüte will! Nach dem ersten Schock – diese Situation kommt wahrscheinlich nicht so häufig vor – schiebt sie die Ware in meine Richtung, damit ich sie in meine Tragetasche einräumen kann. Ich frage mich, warum. Wenn ich „Ja, ich wett en Sack“ sage, dann räumen sie mir normalerweise die Ware ein. Wenn ich aber meine eigene Tasche heraushole, dann nicht. Das habe ich schon öfter mal beobachtet. Warum eigentlich? Meine Reaktion: ich schiebe die Ware wieder zurück und drücke  der „Sack welle?“-Tante meine rote Tasche mit weissen Punkten in die Hand. Diese nonverbale Aktion ruft regelmässig ein überraschtes, erstauntes und höchstwahrscheinlich völlig unbewusstes Hochziehen der Augenbrauen hervor. Aber es funktioniert! Genauso, wie wenn man seinen Kindern sagt: „soll ich dir beim Einräumen der Spülmaschine helfen?“ Nonverbale Aktionen liebe ich! Jedenfalls räumte sie mir alles brav in meine Tasche ein.

An der Ausstellung „Oh Plastiksack!“ im Gewerbemuseum in Winterthur, die ich im Jahr 2012 mit meinem Junior besuchte, las ich, dass die durchschnittliche Nutzungsdauer einer Plastiktüte bei sage und schreibe 25 Minuten liegt. Und dass nur ein kleiner Anteil wiederverwertet wird. So landen die meisten Plastiktüten in der Müllverbrennung – wertvolle Rohstoffe verbrennen. Um Plastiktüten herzustellen braucht man nämlich Rohöl. Viel Rohöl, denn seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass es jährlich 1 Billion Tüten auf unserer Welt gibt.

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Exponate bei Oh Plastiksack! Gewerbemuseum Winterthur

Bei Stern TV heisst es: „Jedes Jahr verbrauchen die Deutschen 5,3 Milliarden Plastiktüten. Das macht 10`000 Tüten, die der Einzelhandel pro Minute herausgibt. Jeder von uns benutzt durchschnittlich 65 Stück im Jahr. Damit gehört Deutschland zu den Spitzenreitern im weltweiten Plastiktütenverbrauch.“ Und weiter: „Bei neun von zehn Tüten sind die Rohstoffe verloren. Fast 90 Prozent der Tüten landen gleich wieder im Müll, durchschnittlich nutzen wir eine Tüte etwa 25 Minuten. Bis Plastiktüten vollständig zerfallen, benötigen sie allerdings bis zu 500 Jahre. Trotz aller Bemühungen der Deutschen, ihre Tüten mehrfach zu verwenden – europaweit wird höchstens jede zehnte Tüte recycelt. Bei neun von zehn Tüten sind die Rohstoffe verloren. Allen voran Öl, der Grundrohstoff für Polyethylen. Die meisten Plastiktüten sind daraus hergestellt. Für eine normale Supermarkt-Tragetasche werden etwa 40 Gramm Rohöl benötigt. Für die Menge an Tüten, die Deutschland in nur fünf Tagen verbraucht, ließe sich die Münchener Allianz-Arena bis zum Rand mit Rohöl vollgießen. Für die weltweite Einwegtüten-Herstellung werden täglich 570 Millionen Liter Rohöl verschwendet. Selbst vermeintlich „gute“ Tüten aus recyclebaren Rohstoffen sind ein Umweltdesaster. Die Alternativen aus Zuckerrohr und Maisstärke und angeblich kompostierbare Tüten entpuppen sich als Mogelpackungen. Denn selbst diejenigen Tüten, die ein Biolabel tragen, lassen sich nicht einmal industriell kompostieren.“

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Exponate aus „Oh, Plastiksack!“, Gewerbemuseum Winterthur

In vielen Ländern sind die Mülldeponien voll davon und in den Weltmeeren gibt es hektargrosse Plastiktütenareale – im Pazifik ist das Areal so gross wie Mitteleuropa – bei denen sich der nicht abbaubare Unrat aufgrund der Strömungen sammelt. Ganz zu schweigen von den Meerestieren, die jedes Jahr aufgrund der Plastikflut verenden. Schildkröten, Möwen, Pelikane, Wale, Delfine und viele mehr. Bei dem nach vielen Jahrzehnten endlich zerkleinerten Plastik-Unrat gehen die Kleinteile in die Organismen der Meereslebewesen ein und schwächen ihre Immunsysteme oder zerstören sie langsam und qualvoll. Ich finde, das ist eine Katastrophe!

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Schon bei der Herstellung von Plastiktüten wird jede Menge CO2 ausgestossen, bei der Verbrennung noch mehr. Hinzu kommt noch das Bedrucken der Tüten – jemand muss die Aufdrucke designen, Maschinen müssen die Plastikfolien bedrucken und in ihre Form schneiden und zusammensetzen, es wird Strom und Druckerfarbe benötigt. Die Maschinen nutzen sich ab und müssen irgendwann ersetzt werden. Menschen, die das alles überwachen und Menschen, die die Tüten vermarkten müssen bezahlt werden.

Es ist so einfach, hier ein Zeichen zu setzen! Eine Mehrweg-Tragetasche aus Polyester in ihrer kleinen Hülle ist nicht grösser als eine Packung Taschentücher und sie kostet wirklich nicht alle Welt. Hole Dir auch so eine Mehrwegtasche!

Kleiner Tipp: sie sind ganz einfach wieder zu verstauen: einfach zusammenrollen, um den Finger wickeln und in das Futteral stopfen, fertig!

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Ich habe etwas beschlossen: wenn ich 100 follower für meinen Blog habe, dann werde ich für eine Mehrfachtragetasche höchstpersönlich einen schönen Aufdruck designen und sie jedem einzelnen follower zukommen lassen! Also: melde Dich gleich als follower an. Und kaufe Dir schon mal in der Zwischenzeit eine Mehrwegtasche! Wenn Du die Mehrwegtasche benutzt, denke an diesen Beitrag in meinem Blog. Tu es für Dich, für uns und für unsere Welt!

Links und Quellen:

Deutsche Umwelthilfe
http://www.duh.de/3711.html

Mehrfach-Tragetasche
http://www.duh.de/3741.html

Stern TV
http://www.stern.de/tv/sterntv/umweltsuende-einwegtasche-koennen-wir-auf-plastiktueten-verzichten-2029191.html

„Oh, Plastiksack!“ Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur http://gewerbemuseum.ch/ausstellungen/aktuell/detailansicht/gmwausstellung/alltagsobjekt-plastiktuete/?no_cache=1

Mein Portal.ch
http://www.meinportal.ch/index.php?option=com_content&view=article&id=603:plastiktaschen-ein-umweltproblem&catid=20&Itemid=71