Neulich im Hallenbad

Als ich kürzlich schwimmen war dachte ich an die Unmengen an Wasser und Chemikalien, die so ein Schwimmbad benötigt. Und daran, dass alles, was zu viel benötigt oder produziert wird – Wasser, Abfall, Plastik, Dieselabgase – gar nicht die Chance hätte, die Umwelt zu belasten, wenn wir, die Menschen, nicht wären. Konsequent zu Ende gedacht: würde ich das Hallenbad missen wollen? Nein, würde ich nicht! Damit gebe ich mein stillschweigendes, passives Einverständnis für den Wasser- und Chemikalienverbrauch. Mein aktives Einverständnis zahle ich sogar am Schwimmbadeingang in Form des Eintritts.

Während ich nach dem Schwimmen auf dem Weg in die Umkleidezone darüber nachdachte, sticht mir etwas ins Auge:
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Wassersparer an den Wasserhähnen! Ein Lächeln bahnt sich den Weg. Wenn schon Hallenbad, dann am besten eins, das sorgsam mit den Ressourcen umgeht. Wer an den Wasserhähnen Aqua Click installiert, bei dem ist die Chance gross, dass er auch sonst auf einen schonenden Umgang mit den Ressourcen achtet. Nachgefragt habe ich allerdings noch nie. Der kleine Aqua Click hat mich inspiriert, künftig genauer hinzusehen.

Aus vielen kleinen Tropfen entsteht ein See. Danke an das Hallenbad Lättich: http://www.baar.ch/de/kulturfreizeit/schwimmbad/hallenbad/

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Flüssigseife sparen und trotzdem saubere Hände!

Jede Menge Flüssigseife kann man sparen, wenn man den Seifendispenser „Sydney-Acryl“ von Spirella einsetzt. Der Dispenser gibt bei Pumpen mit der Seifenpumpe nicht die konzentrierte Seife aus, sondern Schaum. Man füllt in den Dispenser 60% Wasser, 20% Flüssigseife und 20% Luft – fertig! Die besondere Pumpe erzeugt dann den Schaum. Der Schaum reinigt auch gut und lässt sich zudem viel einfacher von den Händen abspülen, als die konzentrierte Flüssigseife.    Ich habe das Modell in Gelb, es gibt aber auch noch andere tolle Farben! Bin begeistert!

Nutzen statt Besitzen (Lebensart, Juni 2014)

Wieder ein toller Artikel von Susanne Wolf! Viel Spass beim Lesen.

Taste the waste und die Frage der kritischen Masse

„Die geplante Obsoleszenz ist schon problematisch genug, noch mehr anzuprangern ist aber das gezielte Wegwerfen noch voll funktionsfähiger Produkte, sei es aus einer individuellen Konsumlaune heraus, sei es über staatliche Programme, wie die Abwrackprämie für ältere Fahrzeuge ohne Katalysator, oder sei es aufgrund von Überproduktion wie insbesondere in der Lebensmittelindustrie.“ Das schreibt Wolfgang M. Heckl in seinem Buch „Die Kultur der Reparatur“, mit dem ich mich in zahlreichen Blogbeiträgen auseinandergesetzt habe. Im letzten Kapitel geht es um Auswege aus der Wachstumsspirale. Hierzu passt auch die Fragestellung, wozu Müll noch gut sein kann. Einige Beiträge dazu schrieb ich schon: die Papiertüten des Fairtrade-Ladens Claro in: Kaffeeblüten-Honig aus Guatemala, eine andere Art des Umgangs mit Müll in: Kunst aus Abfall oder die Verwendung von Müll für Alltagsgegenstände in: Wirfsnichtweg!

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90 Millionen Tonnen Nahrung verschwendet
In Deutschland landen pro Jahr rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel auf Müllkippen, in Europa sind es an die 90 Millionen Tonnen. Eine unvorstellbar hohe Zahl! Gemäss einer Studie der Universität Stuttgart im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aus dem Jahr 2012 bringt es der durchschnittliche Bürger jährlich auf rund 100 kg, schreibt Heckl.

Widerstand regt sich. Die Bewegung der Dumpster und Dumpdiver – zu Deutsch: Mülltauchen oder Containern – sind ein Ausdruck dieses Protests. Sie holen Lebensmittel, die weggeworfen werden, aber noch gut sind. Fundort: Container von Supermärkten, Discountern, Markthallen oder Restaurants. Das Ziel dahinter ist nicht nur, sich aus einer Not heraus zu ernähren, oder damit auf Überproduktion und die Essensvernichtung aufmerksam zu machen, sondern vor allem um das Teilen, das Foodsharing. Gesammelt werden Lebensmittel, die originalverpackt weggeworfen werden, weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, Früchte, die kleine Stellen haben, Produkte, die eingedellte Verpackungen haben und deshalb vom Konsumenten nicht gekauft werden, beispielsweise Dosen mit Dellen. Mülltaucher und Foodsharer sind sehr kreativ, sie stellen die Lebensmittel auf unterschiedlichste Art und Weise zur Verfügung – in ihrem eigenen Kreis, in Stadtteilen oder Städten. Andere kochen daraus leckere Mittagsgerichte, füllen sie in recycelbare Glasbehälter ab und verkaufen sie in der Stadt. Ein Lieferservice – selbstverständlich mit dem Fahrrad – wird dazugeboten. Ein lesenswerter Beitrag findet sich hier: Resteveredelung-Artikel in der Zeitschrift „Horizonte“ Ein Ansatz, den ich auch sehr gut finde sind Lebensmittelgeschäfte, bei denen gar nicht erst so viel Verpackungsmüll und Reste entstehen, weil die Kunden sich die Mengen bedarfsgerecht „zapfen“ können, wie Lunzers Massgriesslerei, vorgestellt vom Blog Widerstandistzweckmässig.

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Lunzers Massgreisslerei. Foto von http://www.widerstandistzweckmässig.wordpress.com

Heckl schreibt dazu: „Nichts verkommen lassen ist also nicht mehr nur Ausspruch der Nachkriegsgeneration, nicht mehr Verzichtsappell aufgrund einer Mangelwirtschaft, sondern ein Appell, in Zeiten einer Überflussgesellschaft moralisch zu handeln, überschüssige Ware Bedürftigen zukommen zu lassen, statt sie wegzuschmeißen.“ In die gleiche Richtung geht der Trend der Gemeindehilfsnetzwerke (z.B. Gemeinwohlökonomie), der Gratisökonomie mit ihren Umsonstläden oder der Tauschbörsen.

Einer für alle, alle für einen
Ich beobachte, dass Hilfsgemeinschaften und Nachbarschaftsnetzwerke im Rahmen der Shared Economy, genossenschaftlich organisierte non-profit Unternehmen und Fair Trade Organisationen, die allesamt nach dem Prinzip „einer für alle, alle für einen“ folgen, immer mehr in Mode kommen! Noch findet die Abkehr von volkswirtschaftlichen Wachstumsmodellen erst im Kleinen statt. Steigt der Leidensdruck aufgrund des Bevölkerungswachstums und der immer knapper und damit teurer werdenden Ressourcen, werden solche Modelle immer mehr Zulauf bekommen. Es ist nur eine Frage der kritischen Masse!

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Zum Buch „Die Kultur der Reparatur“ von Wolfgang M. Heckl schrieb ich bisher folgende Beiträge:
Die Kultur der Reparatur – Einführung
Arbeitsteilige Fertigung vs. Ganzheitlichkeit
Geplante Obsoleszenz – eingebaute Schwachstellen in Geräten
Die großen Hebel für kleine ökologische Fußabdrücke
Irreparables Design – muss das sein?
The world in our hands
9 Schritte zum erfolgreichen Reparieren
Der Lohn der Reparatur
Aus der Wachstumsspirale ausbrechen

Alles Claro? Alles Claro!

Kürzlich berichtete ich über Kaffeeblüten-Honig aus Guatemala aus dem Fair-Trade-Geschäft Claro. Einige Fragen tauchten dazu auf – ob beispielsweise kein lokaler Markt für den Honig existiert, ob Bio- und Fairtrade Produkte keinen genug hohen Stellenwert in den Herkunftsländern haben und ob es Vorstösse in die Richtung gibt, lokale Marktnischen für diese Produkte zu finden.

Nachdem ich den Beitrag in meinem Blog veröffentlicht hatte, mailte ich meine Fragen an Claro:

Kürzlich erhielt ich ein schönes Geschenk aus einem Claro Laden in Thun. Positiv fiel mir auf, dass die Geschenkverpackung aus Kalenderblättern von Helvetas-Kalendern gefaltet war. Dazu hätte ich die Frage, wer diese Arbeiten für Sie ausgeführt hat, ob es eine Behindertenwerkstätte war o.Ä.? Die Tüte hat mir sehr gefallen, ich habe Ihnen ein paar Fotos angehängt, damit Sie sehen, welche Verpackung ich meine.

In dem Papiersack war ein Honig aus Guatemala, der aus Kaffeeblüten von den Bienen gewonnen wird. Da ich in Lateinamerika aufwuchs, habe ich mich darüber sehr gefreut. Allerdings achte ich beim Einkauf selber darauf, dass ich Produkte aus der Region beziehe, um lange Transportwege zu vermeiden. Als ich so darüber nachdachte, wie weit der Weg ist, den der Honig zurückgelegt hat, kamen mir ein paar Fragen: Transportieren Sie den Honig per Schiff? Wir er in Guatemala schon in Gläser abgefüllt und etikettiert, oder erst hier, in Europa?

Dann habe ich auch darüber nachgedacht, warum das Bewusstsein für lokale Erzeugnisse in den Märkten wie Guatemala z.B. so wenig ausgeprägt ist, dass man anscheinend nur hierzulande diese Produkte schätzt? Gibt es von Fairtrade Organisationen wie Claro Vorstösse, um die Wahrnehmung für das Gute und Schätzenswerte lokaler Produkte zu stärken? Damit könnte man doch Nischen von Kunden (respektive Geniessern) in den lokalen Märkten finden und die Produkte dort verkaufen, wo sie hergestellt werden – auch zu einem fairen Preis.

Ein paar Tage später schrieb mir Claro zurück. Das fand ich schon mal sehr positiv, denn längst nicht alle nehmen sich Zeit dafür! Als ich beispielsweise den chilenischen Winzer mit der rund doppelt so schweren Weinflasche anschrieb (s. Beitrag So ’ne Flasche!) und fragte, warum er eine so viel schwerere Flasche wählt, bekam ich keine Antwort – bis heute nicht…

Der Inhalt der Claro Antwortmail überzeugt mich – die Antworten sind schlüssig, glaubwürdig und einem durchdachten Ansatz folgend. Gerne teile ich dieses freudige Beispiel gelebten Fairtrade-Handelns mit Euch!

Besten Dank für Ihre Anfrage. Wir freuen uns jeweils auch an den hübschen Beuteln, die aus alten Kalenderblättern gefaltet werden, ist dies doch ein sehr sinnvolles Recycling. Die Beutel werden jedoch nicht von uns in Auftrag gegeben, sondern werden in einigen Läden von den kreativen  Frauen selber gefaltet.

Selbstverständlich wird Honig auch lokal konsumiert und geschätzt. Für die Imker bedeutet der Zugang zum europäischen Markt jedoch eine ideale Gelegenheit um seine Überschüsse zu einem guten Preis zu vermarkten. Dies ermöglicht den Menschen eine deutlich bessere Lebensqualität, denn die Kinder können so eine Ausbildung kriegen, die Produktionsmethoden können verbessert werden, soziale Dienste können eingerichtet werden etc. Aus diesen Gründen ist der Verkauf von Honig aus Lateinamerika in Europa sehr sinnvoll und vertretbar. Ausserdem hat es zum Beispiel in der Schweiz nicht genügend einheimischen Honig.

Der Honig wird in Fässern nach Europa transportiert und dann in Deutschland in Gläser abgefüllt und etikettiert. Für Glas haben wir uns entschieden, weil dieses wiederum gut rezykliert werden kann.

Alles Claro? Alles Claro! Vielen Dank für diese kompetente Antwort und den täglichen Einsatz für den fairen Handel und die Verbesserung der Lebenssituation vieler Menschen, die es dringend nötig haben!

Vom Surfen zum Handeln – Direkthilfe für Bosnien

Letzte Woche, irgendwann Abends, Füße oben, beim Facebooken. Unsere ehemalige Babysitterin Tereza postet, dass einige Hilfsaktionen für die Flutopfer im Balkan angelaufen sind. Meine Gedanken schweifen zuerst zu Tereza: wie sie vor vielen Jahren als Schülerin an unserem Haus vorbei lief, morgens mit dem Schulrucksack, Nachmittags mit der Gitarre. Das süße Mädel mit den lustigen Sommersprossen im hübschen Gesicht, die ich irgendwann einmal ansprach, ob sie wohl ab und zu bei uns babysitten könnte. Und damit einen Volltreffer landete, die Jungs mochten sie sehr. Nun sind alle erwachsen, die Jungs, Tereza – mein Gott, die Zeit vergeht.

Ihr Post macht mich neugierig: Ich frage sie per Facebook, ob auch im Nachbarort (wo ich sie immer noch wohnhaft wähne) gesammelt würde. Das weiß sie nicht, schreibt aber zurück, dass sie sich schlau machen werde. Am nächsten Tag bekomme ich die Nachricht, dass woanders gesammelt würde, Kleidung, Decken, alles, was Menschen brauchen, die bei einer solchen Flutkatastrophe alles verloren haben.

Kleidung habe ich. Sie liegt in drei großen, blauen IKEA Taschen auf dem Gästebett, bereit für den Flohmarkt. Darin: Kleidung, die mir nicht mehr passt oder die ich nicht trage. Einen Großteil habe ich bereits zum Second-Hand-Shop gebracht, wo sie bis Ende Juni eine neue Besitzerin finden sollen, doch der Shop hat nicht alles genommen, nur die „stylishen“ Markenstücke (die sind ganz schön wählerisch!). Der Plan ist, diese restliche, noch sehr gut erhaltene Kleidung, am Flohmarkt unter die Leute zu bringen. Günstig abgeben – ich will keine Geschäfte damit machen, mir ist es wichtig, dass die Sachen noch weiterverwendet werden. Denn sie sind noch gut, teilweise kaum getragen.

Spontan entscheide ich, Tereza die Kleidung für die Flutopfer zu geben. Sie fragt, ob ich am nächsten Abend da sei, ich sage zu und am nächsten Abend klingelt es an der Tür. Wir schließen uns in die Arme. Sie ist weiter gefahren, als ich dachte, denn inzwischen ist sie glücklich verheiratet, mit ihrem Mann umgezogen und arbeitet als Lehrerin. Ein schönes Wiedersehen!  Wir erfahren, dass ihr Bruder den Lastwagen mit der Ladung Hilfsgüter persönlich direkt zum Heimatort ihrer Familie in Bosnien-Herzegovina bringen wird. Die Menschen dort sind in einer Turnhalle untergebracht, teilweise passt ihr restliches Hab und Gut in zwei Kartons am Fußende der Matratze. Tereza zeigt uns ein paar Fotos auf ihrem Mobiltelefon. Sie sagt, es sei ihnen wichtig, die Hilfsgüter selber dorthin zu bringen, denn bei den Hilfsorganisationen wissen man nie, ob die Hilfe dort ankomme, wo man sie hinschicken wolle. Am nächsten Tag werde sie mithelfen, die Kisten für den Lastwagen zu packen.

Wir verstauen die Sachen in ihr Auto – zu der Kleidung packe ich noch Schuhe und vor allem Decken, Handtücher und Bettwäsche. Der Wagen ist voll! Wie lange wollte ich diese Sachen schon weggeben, ich bekam einiges von meinen Eltern, als ich auszog. Mit der Zeit wurde es zu viel, vieles hatte ich drei- und vierfach. Es waren aber zu gute Dinge, um sie einfach wegzutun. Nun bin ich glücklich, dass diese Dinge noch gebraucht werden können und einen Zweck erfüllen werden. Dafür gebe ich sie gerne weg, auch wenn ich noch daran hänge.

Schnell schreibe ich noch eine Karte an die Menschen in der Turnhalle, Tereza übersetzt es auf Bosnisch und schreibt die Grüße auf den unteren Teil der Karte. Sie fährt ab und ich denke: „Da fährt ein Engel!“

Am Tag darauf bekomme ich eine Facebook-Nachricht von Tereza und ein Foto. Es zeigt ihren Bruder in der Turnhalle, in der Hand die Karte, im Hintergrund die Menschen, die alles verloren haben. Ihr Bruder sei gut angekommen und sie wolle sich nochmal bedanken. Lange schaue ich mir das Foto an. Ich kenne Terezas Bruder nicht, aber ich bin beeindruckt von dieser Aktion. Was für ein toller, junger Mann! Und dass er sogar noch daran gedacht hat, ein Foto von sich mit meiner Karte zu machen! Beeindruckt denke ich an das große Engagement der jungen Leute: Lastwagen organisieren, zu Spenden aufrufen, Kisten packen, alles einladen, die lange Strecke fahren, auspacken. Sie geben ihre Freizeit und ihr Herzblut. Danke, Tereza, danke auch an Deinen Bruder!!!

BildIch spüre, dass ich glücklich bin. Das ganze Wochenende summe und singe ich vor mir her. Wie oft werden im Facebook Bilder von hilfsbedürftigen Menschen gepostet, von schwer kranken Kindern mit Wasserköpfen, deren Bilder man liken soll oder die man – noch schlimmer – mit „Amen“ kommentieren soll. Davon wird es diesen Kindern und den hilfsbedürftigen Menschen wohl kaum besser gehen. Ich kann diesen sensationshungrigen Voyeurismus in der virtuellen Welt nicht ausstehen!

Doch diesmal hat mir Facebook geholfen und mich zur richtigen Zeit mit der richtigen Person verbunden, so dass daraus eine Handlung werden konnte. Ich fühle mich dankbar und zutiefst mit den Helfern und den Opfern verbunden. Es ist schrecklich, was passiert ist – und doch tut es gut, die Solidarität zwischen Menschen zu spüren und sogar ein Teil davon sein zu dürfen!

Kaffeeblüten-Honig aus Guatemala

Kürzlich erhielt ich einen ganz besonderen Honig. Er stammte aus einem Claro-Fairtrade-Laden. Als ich den Honig auspackte, war ich gleichzeitig positiv als auch negativ überrascht.

Die positive Überraschung: der Geschenkumschlag ist aus wiederverwendeten Kalenderblättern gefaltet!

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Die negative Überraschung: der Honig ist sehr weit gereist: aus Guatemala / Mittelamerika. Das besondere an ihm: er kommt aus dem Kaffeeland, d.h. dass die Bienen ihn im Wesentlichen aus Kaffeeblüten hergestellt haben.

imageEin ganz besonderes Fairtrade-Produkt also. Ich freute mich darüber, weil ich in Lateinamerika aufwuchs und dieser Honig einen ganz besonderen Bezug zu meiner zweiten Heimat herstellt. Andererseits: muss es sein, dass Fairtrade-Artikel von so weit weg stammen? Wäre es nicht für die Umwelt angemessener, wenn besondere Erzeugnisse wie der Honig aus Kaffeeblüten einen lokalen Markt fänden, der attraktiv ist? In Guatemala selbst? Eine Nische von lokalen Geniessern? Ich denke, hier müsste Fairtrade ansetzen: lokales Bewusstsein für den Reichtum der lokalen Erzeugnisse zu schaffen.

Was denkt Ihr darüber?

Aus der Wachstumsspirale ausbrechen

Das wunderbare Buch „Die Kultur der Reparatur“, das ich in meinem Blog zusammengefasst habe, neigt sich langsam dem Ende zu. Im letzten großen Kapitel setzt sich der Autor Wolfgang E. Heckl mit den Auswegen aus der Wachstumsspirale unserer Gesellschaft und Volkswirtschaften auseinander.

Seine These: Um aus der Wachstumsspirale auszubrechen, müssen wir aufbrechen, und zwar in die Reparaturgesellschaft.

imageVor über 25 Jahren erschien von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Brundtland-Bericht zur nachhaltigen Entwicklung. Heckl zitiert aus diesem Bericht: „Voraussetzung für nachhaltiges Handeln ist jedoch auch soziale Gerechtigkeit, denn von Menschen, die Armut und Unterernährung ausgesetzt sind, können nicht dieselben Beiträge zu einer Zukunftsgesellschaft verlangt werden, wie vom gesättigten Westen, dessen Lebensstil angesichts der Begrenztheit der Erde sowieso nicht auf eine wachsende Erdbevölkerung übertragen werden kann. Trotzdem müssen wir Regelungsmechanismen finden, die uns umdenken helfen. Dazu gehörten Marktkräfte genauso wie moralische Aspekte, wie emotionales Marketing und, ganz wichtig, neue Technologien.“ An dieser Stelle möchte ich auf meine Ausführungen in Die großen Hebel für kleine ökologische Fußabdrücke hinweisen – und auf die weiterführenden Kommentare und Diskussion, die sich auf diese Themen hin entwickelt haben. Mich beschäftigt dieses Thema nach wie vor sehr. Ich habe – auch in Heckls Buch – immer noch keine abschließende Antwort auf die Frage gefunden, wie ein Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewusstsein bei den Menschen entstehen kann, die sich auf der Bedürfnispyramide von Maslow ganz unten befinden.

Der Bericht ist zwar schon älter, aber vor dem Hintergrund der rasanten Entwicklung einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft bei explodierendem Bevölkerungswachstum und gleichzeitig knapper werdenden Ressourcenlage immer noch aktuell. Der Weg zurück zu einer Kultur der Reparatur könnte eine hilfreiche Antwort auf diese Herausforderungen sein. Reparierbarkeit müsste dann zu einer Marktkraft werden und Unternehmen Wettbewerbsvorteile verschaffen. Die Kraft des Marktes bestimmen wir als Konsumenten meiner Meinung nach maßgeblich selber – denn der Markt bildet sich um unsere Nachfrage herum. Heckl schreibt weiterhin, dass ein „Design for Repair“, bei dem die Reparaturfähigkeit eines Produkts wieder wichtig wird, genauso sinnvoll wäre wie eine Preispolitik, die den wahren Wert des Produkts widerspiegeln würde (s. auch meinen Beitrag Unser tägliches Zeug gib‘ uns heute). Der Preis müsste die wahren Kosten beinhalten: den gesamten Ressourcen- und Energieverbrauch, aber auch die Reparatur- und Recyclingkosten, gerechnet auf die Lebensdauer des Produkts (zu diesem Thema lohnt sich das Video aus The story of stuff). Aus Sicht des Autors müsste dies langsam und schrittweise geschehen, denn viele Produkte würden bei so einer Preisbildung unbezahlbar. Als Beispiel wird das Steak genannt: würde man die zur Herstellung nötigen Rohstoffe wie Wasser, Mineralien, Energie und Transportkosten alle konsequent mit einberechnen, wäre der Verkaufspreis viel, viel höher.

PreisschildEin weiterer wichtiger Punkt ist die Weiterentwicklung der Technologie. „Um eines werden wir nicht herumkommen: Wir brauchen die Technologien zur Reparatur, zum Recyceln sowie zum Ausnutzen, Speichern und Verteilen der erneuerbaren Technologien.“ Wie wird es in einem halben Jahrhundert möglich sein, Flugreisen anzutreten? Das Kerosin könnte dann unerschwinglich sein. Heutige Batterien – die besten ihrer Art – sind um Faktor 100 von dem entfernt, was benötigt wurde, um ein Objekt auf der Erde von A nach B zu bringen. Dabei ist noch nicht einmal einberechnet, was es zusätzlich an Energie bräuchte, um die dritte Dimension des Fluges zu gewährleisten, nämlich die Schwerkraft zu überwinden. Neue Mobilitätslösungen und Konzepte sind gefragt!

Aber wie könnten Unternehmen, die global Ressourcen abbauen und verarbeiten zur nachhaltigen Produktion animiert werden? Da gibt es wohl viele Faktoren. Einer davon ist, dass wir als Verbraucher smarter werden. Das Wort „smart“ wird zwar inflationär verwendet, aber Heckl meint damit: „Immer häufiger ist von smarten Geräten die Rede. Telefone nennt man Smartphones, aber es gibt auch Smart Cabrios. Ich ziehe smarte Menschen jedoch smarten Produkten vor oder besser: Smarte Menschen sollten wirklich smarte Produkte herstellen und benutzen, und nicht solche, denen nur das Etikett anhaftet. Eine unüberschaubare Vielzahl von Geräten herzustellen, bei denen wir Konsumenten nicht mehr zwingend zwischen dem, was wichtig, und dem, was unwichtig ist, unterscheiden können ist keine gute Entwicklung.“

kid-smart-lightbulb-brain-600x338Wenn ich das richtig verstehe, geht es auch darum, dass wir uns als Verbraucher bei jedem Ding, das wir in die Hand nehmen, fragen: brauche ich das wirklich? Warum brauche ich es? Kann ich den Bedarf auch anders decken, beispielsweise ohne zusätzliche Ressourcen zu verbrauchen? Mit Existierendem? Aufgehübschtem, Upcyceltem? Mit Verändertem und Angepasstem? Was ich da gerade gelesen habe impliziert einen Menschen, der zwischen den „wirklich smarten“ und den „nur smart genannten“ Produkten unterscheiden kann. Einen Menschen, der informiert und interessiert ist. Der nicht nur nachhaltig denkt, sondern auch bereit ist, danach zu handeln.

Ich schätze den Prozentsatz solcher Menschen in den Wohlstandsgesellschaften als recht niedrig ein. Global gesehen erst recht. Um diesen zu steigern, muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Handlung, Aktion ist nötig, damit das Bewusstsein wächst und in Bewegung kommt. Jetzt können wir noch agieren. Wenn der Leidensdruck erst einmal so hoch ist, dass wir nur noch reagieren können, wird es vielleicht zu spät sein, das Wort „Nachhaltigkeit“ endlich bis zum Rand mit Inhalt zu füllen.

Der nächster Beitrag des letzten Kapitels: „Taste the waste“ kommt demnächst!

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Wirfsnichtweg!

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Diese Fotostrecke hat mich begeistert! Der ultimative Beweis, dass Plastik & Co. in anderer Form wunderschön aussehen können. Viel Spass beim anschauen!

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Andrés, der kolumbianische Schneider aus Bogotá

Mein Name ist José Andrés Flórez Rodríguez und ich bin Schneider. Ich wurde am 19. September 1976 in Bogotá, der Hauptstadt von Kolumbien, geboren. Aufgewachsen bin ich nicht weit von hier, von meinem Laden. Ich betreibe eine Schneiderei und Reinigung – bin also mit meinen 38 Jahren schon lange Unternehmer und mein eigener Herr. Privat bin ich verheiratet, meine Frau heisst Rocío. Wir haben einen zweijährigen Sohn, der Jacobo heißt, unser ganzer Stolz! Meine Frau ist auch berufstätig. Während unserer Abwesenheit kümmert sich meine Schwiegermutter um unseren Junior.

Andres Florez ColombiaIch war sehr überrascht, als ich die Anfrage bekam, meiner Kundin ein Interview zu geben. Als sie mir erklärte, dass sie im Internet in ihrem Blog über die Themen Reparatur, Schonung von Ressourcen und Recycling schreibt, war ich sofort motiviert, mitzumachen. Ich habe übrigens ihre Bluse, einen Blazer und noch andere Kleidungsstücke wieder zu neuem Leben erweckt! Hast Du den Beitrag Vorher – Nachher: Upcycling der Lieblingsbluse, schon gesehen?

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Anbei meine Antworten auf die Fragen, die sie mir gestellt hat:

Wie ich mein Handwerk gelernt habe
Das Schneidern liegt bei uns in der Familie: schon mein Großvater war Schneider und mein heute 75-jähriger Vater arbeitet noch immer in seinem Handwerk. Ich habe drei Brüder und eine Schwester. Wir haben unserem Vater schon in der Schulzeit mitgeholfen und er hat uns den Beruf gelehrt. Meine Geschwister haben wie ich in anderen Stadtteilen ihre eigenen, kleinen Schneidereien. Wir sind sehr froh, dass es uns allen gut geht. Einen Berufsverband? Nein, so etwas gibt es meines Wissens in Kolumbien nicht – zumindest habe ich noch nie etwas davon gehört. Und ich wüsste davon, wenn es das gäbe!
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Meine Schneiderei
In meinem Laden, den Ihr hier auf den Fotos sehen könnt, hat schon mein Vater für seine Kunden genäht. Damals arbeitete er noch mit einer mechanischen Fußpedal-Nähmaschine. Das Lokal war ganz anders als heute, es gab mehrere kleine Räume. Als ich 19 Jahre alt war, starteten mein Bruder und ich hier, mit Vaters Nähmaschine. Vor fünf Jahren konnten wir das ganze Haus kaufen und ich renovierte den Laden. Dabei wurden auch Wände herausgerissen, so dass jetzt alles viel größer und heller wirkt. Inzwischen habe ich natürlich auch elektrische Nähmaschinen und bin damit gut ausgestattet. Ich habe auch eine Annahmestelle für die Reinigung von Kleidern in meinen Laden integriert, das wird hier in unserem Stadtteil rege genutzt. Mit der Kombination Schneiderei-Reinigung kann ich meinen Kunden nun einen besseren Service bieten und ich verdiene dadurch auch besser. Sogar eine Aushilfe kann ich mir jetzt leisten.
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Was ich zum Thema Reparatur denke

Im Unterschied zu früher sind heute 90% meiner Näharbeiten Reparaturen. Vor nicht allzu langer Zeit ließen sich die Leute noch Kleider nähen, weil sich das lohnte. Ein schickes Festkleid kostete 600’000 Pesos (ca. 300 Franken / 225 Euro). Heute bekommt man es für einen Viertel dieses Preises im Laden. Allerdings hat die Qualität sehr nachgelassen. Der Textilwarenmarkt wird mit chinesischer Ware überschwemmt, Kleidung wird quasi zum Wegwerfartikel. Leider! Damit will die Kleidungsindustrie die Nachfrage ankurbeln. Wie bei Elektrogeräten auch. In meinem Laden benötige ich beispielsweise ein Bügeleisen, um die Kleidungsstücke, die ich repariere nach getaner Arbeit aufzubügeln. Während meine ersten Bügeleisen locker 10 Jahre und länger hielten, geben die jetzigen Modelle schon nach einem Jahr den Geist auf. Wie die Beziehungen übrigens inzwischen auch!

DSCN9207Meine Beobachtungen zum Recycling
Hier in Kolumbien musst Du nur etwas vor die Tür stellen – sofort holt es sich jemand, der es brauchen kann. Hier vor meiner Tür sieht man auch oft kleine Transporter von privaten Recycling-Unternehmen vorbeikommen, sie holen Glas, Elektrowaren, Metalle und vieles mehr ab. Auch Privatpersonen durchstreifen die Straßen mit ihren Megafonen und weisen auf ihre Recyclingdienste hin. Das funktioniert ganz gut. Sie sammeln die Dinge und verkaufen sie weiter, das ist ein gutes Geschäft. Bezüglich gebrauchter Kleidung gibt es an der Plaza España einen Mann, der diese aufkauft. Für ein Kleidungsstück zahlt er zwischen 1.000 und 3.000 Pesos (50 Rappen bis 1.50 Franken / 40 Cent bis 1.20 Euro). Das hört sich nach wenig an, aber die Menge macht’s. Auch gibt es in der Stadt Second-Hand-Läden, in denen Schuhe, Kleidung, Taschen und Gebrauchsgegenstände aus den USA verkauft werden. Mobiltelefone werden leider viel zu schnell weggeworfen. Ich selber versuche, in meinem Laden sorgsam mit den Dingen umzugehen. Die Plastikbügel der Reinigung verwende ich wieder: meine Kundinnen und Kunden bringen sie zurück. In Kanada wird dies auch so gehandhabt, habe ich gelesen.

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Was mir an meiner Arbeit am meisten gefällt
Ich haben den Umgang mit meinen Kundinnen und Kunden sehr gern. Eigentlich hätte ich Psychologe werden wollen, habe mich dann aber doch für’s Handwerk entschieden. Hier in meinem Stadtteil kenne ich durch die Laufkundschaft viele Leute. Sie mögen mich und ich mag sie. Sie vertrauen mir, weil ich ihre Kleidung und ihre zu reinigende Stücke gut behandle. Die Wertschätzung und das Vertrauen, das man mir entgegenbringt, tun mir gut. Mit der Zeit kennt man von den Menschen ihre Geschichten und gewinnt so manchen auch lieb. Schicksale wie Krankheiten oder Tode können mir ganz schön unter die Haut gehen. Aber im Großen und Ganzen ist es erfüllend, so viel Kontakt zu anderen Menschen zu haben.

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Meine Träume für die Zukunft
Als Unternehmer muss ich hart ran: mehr Arbeit, eine höhere zeitliche Belastung. Aber dafür verdiene ich auch besser, kann mit meiner Familie in den Urlaub fahren – das ist der Vorteil. Ein Nachteil ist, dass ich keine Sozialversicherung für mein Alter habe. Darüber mache ich mir aber keine allzu großen Sorgen, denn das Grundstück, auf dem mein Laden steht, hat in den letzten Jahre einen starken Wertzuwachs erfahren. Die Stadt wächst in diese Richtung. Mein Traum ist es, auf meinem Grundstück ein Hochhaus mit vier Stockwerken zu bauen. Es soll sechs Wohnungen und zwei Lokale haben, die ich vermieten kann. Im oberen Stockwerk möchte ich meine eigene Wohnung haben. So kann ich von den Mieteinnahmen unser Alter finanzieren. Das ist natürlich noch eine Weile hin, ich bin ja noch jung. Mittelfristig möchte ich meine Arbeit weitermachen, aber das Geschäft anders aussteuern. Und in der näheren Zukunft möchte ich gern nochmal Papa werden!

DSCN9224Einen weiteren Beitrag zu Andrés‘ Arbeit findest Du hier: Vorher – Nachher: Upcycling der Lieblingsbluse