Trial and Error – Probieren geht über Studieren!

20161026_104101Built to last? Mitnichten! Dieses schöne Armband hatte ich unter anderem erstanden, weil es auf Metalldrähte aufgereiht und mit einem Magnetverschluss versehen ist. Prima, dachte ich, das sieht stabil aus und wird nicht so schnell kaputt gehen.

Umso grösser war die Enttäuschung, als sich ein Metalldraht löste und alle Scheiben, Perlen und Anhänger zu Boden gingen. Mein erster Gang war der zum Laden, um um eine Reparatur zu bitten. Mitleidiger Blick. „Tut uns leid. Wir kreieren den Modeschmuck nicht selbst, sondern bestellen ihn. Da können wir leider nicht weiterhelfen.“ Hätte ich mir ja denken können. Von einer Kultur der Reparatur sind wir noch meilenweit entfernt.

Also selber reparieren! Plan A war, die losen Teile auf einen elastischen20161026_104117 Faden aufzureihen, diesen zu verknoten und damit ein separates Armband zu haben. Ich würde es einzeln oder auch zu den verbleibenden beiden Reifen mit dem Magnetverschluss tragen können. Zugegeben, das war schon eher die pragmatische Lösung, aus der Not eine Tugend zu machen. Aber durchaus praktikabel, wie ich dachte. Gesagt, getan. Vorsichtshalber — oder sagen wir lieber glücklicherweise! — schnitt ich den leeren Metalldraht vom Armband noch nicht ab. Denn das Aufreihen entpuppte sich als elende Fummelarbeit, da das textile Ende des elastischen Bands immer wieder fadenartig ausfranste und sich die Scheiben und Perlen gar nicht gut aufreihen liessen.

Einen elastischen Nylonfaden hatte ich nicht. Sollte ich die Reparaturarbeit beiseite legen und erst einen Nylonfaden kaufen? Nein! Heftiger Protest in mir. Nun sitzt Du schon dran, zieh das jetzt durch! Sonst wird das am Sankt Nimmerleinstag (also nie) fertig. 20161026_120806

Plan B war schnell zur Hand. Ich holte Sekundenkleber. Wieder ärgerte ich mich: Ich hatte extra die Mini-Variante der Sekundenkleber Tuben gekauft, weil die grösseren Tuben immer  viel zu schnell austrocknen. Ich versuchte, die erst einmal benutzte Mini-Tube zu öffnen. Fehlanzeige! Die Klebetülle war so fest mit dem Deckel verklebt, dass ich beim Aufdrehen Kraft anwenden musste. Mit dem Resultat, dass die Tülle samt Deckel abbrach. Fast lief mir der Sekundenkleber über die Finger. Mir war sofort klar, dass nur noch ein Klebevorgang möglich sein würde, da die Tube nicht mehr verschliessbar war. Was für eine Verschwendung! Die restliche Klebe würde unbrauchbar werden. Metalltube, Plastik, Restkleber — alles Ressourcen für den Müll. Ich bin überzeugt, die Klebeindustrie könnte das Problem lösen. Aber dann würden sie deutlich weniger Sekundenkleber verkaufen. Geld regiert die (Um)welt!

Ich zog also die losen Teile auf den Metalldraht des Armbands auf, 20161026_123117 benetzte das Ende des Metalldrahts sorgfältig von allen Seiten und brachte den Klebstoff auch in den äusseren Metallverschluss ein, in den auch die anderen beiden Drähte mündeten. Jetzt nur aufpassen, dass das Zeug nicht an die Finger kommt! Vorsichtig steckte ich die Teile wieder zusammen und drückte es eine Weile fest, dann fixierte ich das Armband zum Trocknen und benutze es seither wieder mit grosser Freude!

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20161026_122710Die zweite Reparatur war deutlich einfacher: mein Sohn hatte ein Steinarmband, das ihm kaputtgegangen war. Neu auf den elastische Faden aufgereiht, einen Dreifachknoten rein, fertig! Schnelle Sache. Es blieb sogar noch Zeit, einen kleinen Kartengruss (Zweitverwertung eines Kalenderbilds und eines Geschenkbands) an das reparierte Armband anzubringen und es ihm auf sein Kopfkissen zu legen. Gross war die Freude, als er es beim nächsten Besuch daheim fand. Aber wahrscheinlich habe ich mich noch viel mehr gefreut als er! Erstens über seine Freude, zweitens, weil es mir einmal mehr gutgetan hat, die Arbeit anderer Menschen zu ehren, indem ich die Dinge repariere und drittens, weil ich dabei ganz nebenbei Ressourcen schone und die Lebensdauer der Dinge verlängern kann.

Büchern Beine machen – mit Bookcrossing

imagesDas Internet ist eine Wundertüte! Mit Bookcrossing.com kann man seine gelesenen Bücher auf Reisen schicken. Dazu sind drei Schritte nötig:

circle_labelgraphicErstens – man registriert sein Buch bei Bookcrossing und erhält eine ID-Nummer, die man auf einen herunterladbaren Aufkleber druckt und in das Buch klebt.

circle_sharegraphicZweitens: man teilt das Buch. Das kann man tun, indem man es weitergibt – „an einen Freund, einen Fremden, einen fremden Freund oder einen freundlichen Fremden“. Oder, indem man sein Buch in die Freiheit entlässt und auf Reisen schickt, zum Beispiel, indem man es auf einer Parkbank liegenlässt, bei einer Bushaltestelle oder im Zug.

circle_followgraphicDrittens: man verfolgt die Reise des Buchs. Dazu Bookcrossing sinngemäss: Wenn ein anderer Leser das Buch findet, kann er die Bookcrossing-ID eingeben und mitteilen, dass er es gefunden hat. Journaleinträge zum Buch lassen den Sender wissen wo es ist, wer es gerade liest, und wohin es als nächstes reisen wird. Manche Bücher bleiben eher in einer Region, während andere wirklich weit herumkommen! Das Buch berührt vielleicht das Leben eines Lesers, dem der Vorbesitzer niemals begegnet wäre, oder es macht einfach nur die Runde unter seinen Freunden.

share_benchgraphicÜber die Plattform haben (zum Zeitpunkt, als der Website Text geschrieben wurde) mehr als 900.000 BookCrosser gemeinsam fast sieben Millionen Bücher registriert, die in ungefähr 130 Ländern reisen! Was für eine fantastische Idee! Eine Statistik zeigt, welche Bücher gerade in die Freiheit entlassen wurden. Ich werde es auch ausprobieren!

Auf Bookcrossing.com bin ich übrigens über einen Artikel im Online Magazin Krautreporter gestossen, den ein Freund im Facebook postete (danke, Ralph!). Der Artikel 66 Dinge, die du jetzt sofort wegwerfen solltest, den ich anfangs mit Skepsis anlas (wirfsnichtweg ist für einen achtsamen Umgang mit Dingen!), begeisterte mich nur schon dieser Information wegen. Wegwerfen und entsorgen will gekonnt gemeistert werden!

P.S. Wer immer dies von Bookcrossing.com liest möge mir nachsehen, dass ich so frei war, die Icons der Website für meinen Blogbeitrag verwendet habe – ist ja für einen guten Zweck!

 

Bücher aussortieren – schwieriges Thema

Zu Büchern habe ich eine ganz besondere Beziehung. Ich liebe sie einfach! Ihren Geruch, ihre Verarbeitung, ihren Inhalt. Und wenn ich sie gelesen habe, mag ich sie noch mehr. Umso schwerer fällt es mir, das Thema Aussortieren anzugehen. Wegwerfen? Unvorstellbar!

Doch es wurde wirklich nötig… Die Bücherregale platzten aus allen Nähten. Da kam Rettung in der Not. Zunächst mit Marie Kendo’s wunderbarem Buch „Magic cleaning – wie richtiges Aufräumen ihr Leben verändert“. Und dann mit meinem Sohn, der mich beim Verschenken unterstützt.

Doch zunächst zu Marie Kondo: Sie sagt, dass man erstmal ALLE Bücher, die im Haus verteilt sind, in einen Raum bringen soll. Wirklich alle, ohne Ausnahme! Damit man sich der Dimension des Besitzes bewusst wird. Dann soll man jedes Buch in die Hand nehmen (diese physische Handlung ist wichtig für die nachfolgende Aktion) und in gleichen Moment entscheiden: macht mich dieses Buch glücklich? Wenn ja, behalten. Wenn nein, weggeben. Interessant sind ihre Ausführungen zu den Sonderfällen. Im Wesentlichen sollte die Aufgabe, die das Buch erfüllt hat, gewürdigt werden und mit diesem Gefühl der Würdigung kann man sich leichteren Herzens von einem Buch verabschieden, das einen nicht zu 100% glücklich macht.

Kategorie 1: Bücher, die einen glücklich machen (gelesen oder ungelesen), dürfen bleiben. Ihre Aufgabe bleibt weiterhin, dass sie uns glücklich machen.

Kategorie 2: Bücher, die man gelesen hat, die einen aber nicht unbedingt glücklich machen, sollte man weggeben. Sie haben ihre Aufgabe erfüllt, indem sie uns zum Lesen zur Verfügung gestanden haben.

Kategorie 3: Bücher, die wir nur teilweise gelesen haben: ihre Aufgabe ist auch erfüllt, denn sie haben uns gezeigt, dass uns ihr Inhalt nicht gefallen hat. Getrost weggeben.

Kategorie 4: Bücher, die wir nie gelesen haben: Ihre Aufgabe war der schöne Moment in der Buchhandlung, als wir dachten, wir würden das Buch lesen (in einer ruhigen Minute, im Urlaub, im Winter am Kamin mit Kuschelsocken undsoweiter undsofort…). Der befriedigende Moment an der Kasse, als wir es uns zu eigen machten. Der freudige Moment, als sie uns geschenkt wurden. Auch diese Aufgabe hat das Buch dankenswerterweise erfüllt!

Marie Kendo rät ab, in das Buch zu sehen oder gar im Text zu lesen. Man soll einfach nur auf sein Bauchgefühl achten, ob einen das Buch wirklich glücklich macht oder nicht und dann umgehend entscheiden. Und sie empfiehlt auch, sich bei jedem Buch, das auf den Stapel der wegzugebenden Bücher landet, innerlich mit einem wertschätzenden Dank zu verabschieden.

Ich habe es ausprobiert und habe gute Erfahrungen damit gemacht! Allerdings habe ich schon in das eine oder andere Buch geschaut und einige ungelesenen Bücher behalten. Von ungefähr 2/3 meines Buchbestands habe ich mich jedoch getrennt. Darunter auch von Lieblingsbüchern wie meine gesamte portugiesischsprachige Schulliteratur, die nun über 30 Jahre im Regal standen und die ich überall hin mit umgezogen habe. Keinen dieser Klassiker las ich je ein zweites Mal. Obwohl ich an ihnen festhielt, merkte ich beim in die Hand nehmen, dass sie mich nicht wirklich glücklich machen. Ich konnte mich bei ihnen bedanken, dass ich Freude beim Lesen hatte. Ich habe ihnen aber auch gesagt, dass ich auch ohne sie Portugiesisch kann und dass es an der Zeit ist, sie wegzugeben. „Obrigada, queridos livros, adorei vocês, mas agora é hora de me separar de vocês…“

Sehr hilfreich war mein Filius, der bereits über 120 Bücher unter seine Germanistik MitstudentInnen gebracht hat und auch sonst dank Facebook Gratis Buchgruppen viele Bücher erfolgreich verschenkt hat! Er nutzte eine Doodle Funktion dafür. Man kann in dieser Doodle Kategorie jedes Buch nur einmal anwählen, dann ist es gesperrt und wird nur dieser Person gegeben. Es funktioniert nach dem „first come, first serve“ Prinzip.

Getreu meinem Motto „Wirfsnichtweg“ (das einem bei solchen Aufräumaktionen durchaus auch mächtig im Wege stehen kann!) habe ich auf diese Weise eine verträgliche Art des Aussortierens gefunden. Der verbleibende Rest der Bücher geht einerseits an den Buchbasar einer gemeinnützigen Organisation und in die Bücherkiste des Recyclinghofs, bei dem Gebrauchtbuchhändler sich bedienen. Das Buch von Marie Kendo habe ich übrigens auch gebraucht über Amazon gekauft!