Ohne Moralpredigt für die Umwelt sensibilisieren

Heutzutage traut man sich als Weltenbürger ja fast schon nicht mehr, zu atmen! Man könnte ja zu viel Sauerstoff beanspruchen… Fleisch essen? Das braucht um Faktoren mehr Wasser, als Gemüse… Auto fahren? Längst liebäugelt man mit einem E-Auto, während man den Zündschlüssel des Diesels dreht und der Motor losrattert…

Die notorischen Gewissensbisse suggerieren, dass man noch viel mehr für die Umwelt tun könnte, sollte, müsste. Man kann sich zwar im Kleinen für die Umwelt engagieren, beispielsweise indem man Dinge repariert, anstatt sie wegzuwerfen. Man kann die Kleidung ausbessern und damit die Näher(innen) wertschätzen. Man kann sich vor Neuanschaffungen fragen, ob es wirklich nötig ist, sie zu kaufen. Man kann Plastik konsequent trennen, ins Recycling geben und beim Kauf von Elektrogeräten auf eine gute Reparierbarkeit achten. Aber irgendwie scheint es doch nie auszureichen, denn die Schäden, die die Umwelt nimmt, werden grösser, nicht kleiner.

Ausstellungen, die dieses anhaltende schlechte Gefühl noch bestärken und den moralischen Zeigefinger erheben, machen alles nur noch schlimmer. Mich erreichen die Botschaften von solchen Ausstellungen nicht. Es gibt aber auch gute Beispiele von Ausstellungen, die sensibilisieren, ohne zu moralisieren. Im Zürcher Zoo fiel mir neulich eine Fotoausstellung auf, die nicht den Zeigefinger erhebt, sondern sachlich informiert – und konkrete Konsumententipps gibt. Das hat mir sehr gefallen!

Auf dem ersten Bild ist der durchschnittliche Papierkonsum pro Person und Jahr in der Schweiz veranschaulicht: 296 kg. Als Vergleich dazu der Verbrauch in Afrika mit 6 kg.

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In meinem Beitrag Die Papierflut schrieb ich über den ganz normalen Wahnsinn überquellender Briefkästen mit ungewünschter Werbung und Gratiszeitungen. Nach konsequentem monatlichen Abbestellen oder Zurücksenden unerwünschter Sendungen (hier in der Schweiz mit dem Vermerk „refusée“ kostenfrei möglich) bekomme ich tatsächlich deutlich weniger Papier. Die Tages- ist auf eine Wochenzeitung umgestellt, News lese ich auf dem Handy. Auch nutze ich meinen Scanner viel häufiger, als den Kopierer und habe mir angewöhnt, wo möglich Papier zu vermeiden und nur noch elektronisch zu archivieren. In diesem Bereich können wir als Konsumenten viel machen!

Wenn möglich, solle man auf Tropenholz verzichten, denn dies öffne der Wilderei Tür und Tore. Auch hier bin ich gut dabei, ich kaufe grundsätzlich nur Hölzer aus zertifiziertem Anbau.

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Positiv überrascht sehe ich eine weitere Schautafel mit sehr brauchbaren Tipps für Konsumenten:

  • Art und Herkunft des Holzes beachten: beim Kauf von Holz und Holzprodukten soll man auf die Kennzeichnung von Holzart und -herkunft. achten. Optimal ist heimisches Holz mit dem FSC-Label.
  • Nachfragen, falls die Deklaration unklar ist: Wenn der Händler keine Deklaration der Holzart und des Herkunft abgibt, fragen.
  • Kein Tropenholz kaufen: Auf Tropenholz (auch Teak) verzichten. Es gibt für alle Tropenhölzer einen europäischen Ersatz, ausser für Balsaholz. Dieses Holz hat einzigartige Eigenschaften. Anstatt Teak kann man Robinie verwenden.
  • Holzlabel beachten: beim Kauf von ausländischem Holz sollte man auf das international verbreitete und anerkannte FSC-Label achten. Es garantiert einen nachhaltigen Holzeinschlag, der ökologisch ist. Zertifikate von Holzgesellschaften und Behörden sind häufig keine Garantie für Nachhaltigkeit.

Als nächstes widmet sich die Ausstellung dem Thema Elektrogeräte, mit besonderem Fokus auf Handys. Ich lese:

Wertvolles Handy als Wegwerfware: Pro Jahr gehen in der Schweiz zwei Millionen Handys über den Ladentisch und bleiben 18 Monate in Betrieb. Danach weichen sie neueren Modellen – zusammen füllen sie einen Güterzug mit neun Wagen. In den entsorgten Handys stecken über 40 Tonnen Kupfer. Die grössten Kupferminen der Welt befinden sich in den Regenwäldern von Brasilien, Papua Neu Guinea, Indonesien und der Demokatischen Republik Kongo.

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Sehr interessant finde ich die Visualisierung des SBB-Cargo Güterzugs am unteren Teil des Schaubildes. Es zeigt auf, wie viele Tonnen Rohmetalle durch den sorglosen Konsum von neuen Handys anfallen: neben den oben erwähnten 40 Tonnen Kupfer sind es 19 Tonnen Aluminium, nochmal so viel für Gold, Silber, Zinn, Kobalt, Chrom, Blei, Nickel, Titan, Zink und das wertvolle Palladium. 17 Tonnen Eisen werden verschwendet und so geht die Auflistung weiter. Das muss nicht sein! Wir können unsere Handys ein paar Jahre behalten und damit aktiv ein Zeichen gegen die Verschwendung von wertvollen Ressourcen setzen.

Dazu die Konsumententipps vom Zoo:

  • Den Nutzen der Geräte verlängern: gute, langlebige und qualitativ hochwertige Geräte kaufen (weg von der Schnäppchen-Mentalität, das tut der Umwelt nicht gut). Kaputte Geräte reparieren lassen. Eine weitere Möglichkeit ist es, nicht mehr benötigte Geräte weiterzugeben und Secondhand-Geräte zu kaufen. Geräte, die man selten braucht, kann man bei Freunden oder evtl. im Baumarkt ausleihen.
  • Wertvolle Materialien recyceln: Elektrogeräte und Batterien sollte man an den Bezugsort zurückbringen und nicht wegwerfen. PET Leergut, Glas, Metall und Plastik können an die Sammelstellen gebracht werden. Alten Goldschmuck kann man neu verarbeiten lassen.
  • Mithelfen, Energie und Ressourcen zu sparen: Anstatt Alu-Getränkedosen lieber Glas oder PET-Flaschen verwenden, anstatt Alufolie lieber Klarsichtfolie. Handzerstäuber sind besser als Spraydosen. Auf Geldanlagen verzichten, die den Handel mit Bodenschätzen zum Inhalt haben.

Schön, dass der Zoo Zürich seine Besucherinnen und Besucher auf so gute Weise für das Thema der endlichen Ressourcen sensibilisiert!

Interessiert Dich das Thema? Ich habe dazu auch folgende Beiträge publiziert. Sie fassen ein spannendes Buch zusammen: „Die Kultur der Reparatur“. Schau doch mal rein!
Die Kultur der Reparatur
Die Kultur der Reparatur – zweiter Beitrag
Geplante Obsoleszenz – eingebaute Schwachstellen in Geräten
Tauschen und Teilen – Alternativen zum Konsum
Die groβen Hebel für kleine ökologische Fuβabdrücke
Irreparables Design – muss das sein?
Unser tägliches Zeug gib uns heute…
The world in our hands
9 Schritte zum erfolgreichen Reparieren

 

 

 

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Flüssigseife sparen und trotzdem saubere Hände!

Jede Menge Flüssigseife kann man sparen, wenn man den Seifendispenser „Sydney-Acryl“ von Spirella einsetzt. Der Dispenser gibt bei Pumpen mit der Seifenpumpe nicht die konzentrierte Seife aus, sondern Schaum. Man füllt in den Dispenser 60% Wasser, 20% Flüssigseife und 20% Luft – fertig! Die besondere Pumpe erzeugt dann den Schaum. Der Schaum reinigt auch gut und lässt sich zudem viel einfacher von den Händen abspülen, als die konzentrierte Flüssigseife.    Ich habe das Modell in Gelb, es gibt aber auch noch andere tolle Farben! Bin begeistert!

Post von der Schweizerischen Nationalbank

Geldscheine werden in verschiedenen Ländern aus Polymeren (Kunststoff) gefertigt. Sie werden dadurch langlebiger und tragen auch nicht so viele Bakterien und Viren auf sich. Darüber las ich einen Artikel in welt.de. Sofort kam mir die Idee, dass man dafür recyceltes Plastik verwenden könnte. Man würde zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: die Verbreitung von Krankheiten eindämmen und gleichzeitig Umwelt und Ressourcen schonen. Darüber schrieb ich Ende April den Beitrag:  Rochade: Plastik gegen Krankheitserreger.

Inspiriert durch einige Kommentare schrieb ich der Schweizerischen Nationalbank und fragte, ob die Verwendung von recyceltem Kunstoff für die Banknotenproduktion eine Option sei. Heute erhielt ich Post in meine Inbox, eine Antwortmail! Ich habe mich sehr gefreut, dass die Schweizerische Nationalbank auf meine Frage eingetreten und sie kompetent beantwortet hat:

An unsere Banknoten werden hohe Qualitätsanforderungen gestellt, insbesondere an Lebensdauer, Fälschungssicherheit und Umlauffähigkeit. Ein wesentliches Merkmal der Banknoten ist das Substrat. Wenn recyceltes Material verwendet wird, ist es möglich, dass unerwünschte Verunreinigungen die Umlaufqualität beeinträchtigen. Technische Lösungen in diesem Zusammenhang sind noch nicht genügend ausgereift und daher für die Produktion der Banknoten noch nicht einsetzbar.

Die Aussage, technische Lösung seien noch nicht genügend ausgereift und daher noch nicht einsetzbar, klingt doch immerhin schon danach, als würde man daran arbeiten.

Es bleibt zu hoffen, dass innovative Materialexperten bald ein neues Verfahren entwickeln. Substrat aus recyceltem Kunststoff für die Banknotenproduktion – das wäre doch was!!!

 

Rochade: Plastik gegen Krankheitserreger

Heute las ich einen Beitrag über eine groß angelegte Untersuchung von Bakterien und Krankheitserregern auf Geldscheinen auf welt.de: „Geld ist viel dreckiger als gedacht“.

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Darin stand auch, dass Geldscheine aus Polymeren für Krankheitserreger keinen so geeigneten Nährboden wie Papierscheine bieten.

Und da kam mir die Idee, den Plastikmüll dieser Welt für Geldscheine zu recyceln. Geldscheine wehen nämlich nicht in die Weltmeere und verunreinigen unsere Umwelt. Sie zersetzen sich auch nicht zu Mikroplastik, der in die Organismen von Menschen und Tieren gelangt. Denn auf das Geld passen die Menschen viel besser auf, als auf die Umwelt!

 

Rochade: Plastik gegen Krankheitserreger

Heute las ich einen Beitrag über eine groß angelegte Untersuchung von Bakterien und Krankheitserregern auf Geldscheinen auf welt.de: „Geld ist viel dreckiger als gedacht“.

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Darin stand auch, dass Geldscheine aus Polymeren für Krankheitserreger keinen so geeigneten Nährboden wie Papierscheine bieten.

Und da kam mir die Idee, den Plastikmüll dieser Welt für Geldscheine zu recyceln. Geldscheine wehen nämlich nicht in die Weltmeere und verunreinigen unsere Umwelt. Sie zersetzen sich auch nicht zu Mikroplastik, der in die Organismen von Menschen und Tieren gelangt. Denn auf das Geld passen die Menschen viel besser auf, als auf die Umwelt!

 

Mikroplastik im „Naturprodukt“ Honig

Heute traute ich meinen Augen und Ohren kaum. Die Schweizerischen TV-Sendung „Kassensturz“, die der Industrie regelmässig auf die Finger schaut und – ähnlich der deutschen Stiftung Warentest – unabhängige Produkttests durchführt, sendete eine Reportage über Bienenhonig. 20 verschiedene Honigerzeugnisse wurden getestet, ein Grossteil davon aus der Schweiz.

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Das besorgniserregende Resultat: ALLE Honigprodukte weisen Mikroplastik auf. Einige wenige Mikroplastikteilchen pro Kilo Honig, einige mittelviel, einige viel. Angesichts des massenhaften Sterbens von Bienenvölkern, die durch eine bestimmte Milbenart geschwächt werden (wobei man davon ausgeht, dass die in der Landwirtschaft eingesetzten Pestizide zu einer Schwächung des Immunsystems der Bienen führen, weshalb die Varroa-Milbe so zuschlagen kann) finde ich diese Nachricht einigermassen erschütternd.

Bienen gehören zu den nützlichsten und wertvollsten Nutztieren unserer Menschheit. Hätten wir sie nicht, würden wir (bzw. noch mehr von uns) binnen weniger Jahre verhungern, denn sie bestäuben die Felder, die Bäume, die Blüten. Jegliche Früchte der Erde haben wir ihnen zu verdanken. Und wie danken wir es ihnen? Mit Pestiziden, die sie schwächen und mit Plastik in unserer Umwelt. Mit Recht wehren sich die Imkerverbände und postulieren, dass der Mikropartikel-Plastik im Honig nicht ein einzelnes Problem des Honigs, sondern der Umwelt im Gesamten sei.

Die Menschheit macht sich selbst kaputt, so viel steht fest. Und will davon nichts wissen! Ich bin sehr dankbar, dass es den „Kassensturz“ und mutige Journalisten gibt, die nicht weghören, wegschauen und schweigen!

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Der empfehlenswerten Beitrag im Schweizer Fernsehen findet sich hier (einige Aussagen in Mundart): „Kassensturz“ – Sendung über Mikroplastik in Bienenhonig vom 25. März 2014

Dieser Beitrag, den ich zur Plastikproblematik schrieb könnte Dich auch interessieren: „Sack welle?“