Alles Claro? Alles Claro!

Kürzlich berichtete ich über Kaffeeblüten-Honig aus Guatemala aus dem Fair-Trade-Geschäft Claro. Einige Fragen tauchten dazu auf – ob beispielsweise kein lokaler Markt für den Honig existiert, ob Bio- und Fairtrade Produkte keinen genug hohen Stellenwert in den Herkunftsländern haben und ob es Vorstösse in die Richtung gibt, lokale Marktnischen für diese Produkte zu finden.

Nachdem ich den Beitrag in meinem Blog veröffentlicht hatte, mailte ich meine Fragen an Claro:

Kürzlich erhielt ich ein schönes Geschenk aus einem Claro Laden in Thun. Positiv fiel mir auf, dass die Geschenkverpackung aus Kalenderblättern von Helvetas-Kalendern gefaltet war. Dazu hätte ich die Frage, wer diese Arbeiten für Sie ausgeführt hat, ob es eine Behindertenwerkstätte war o.Ä.? Die Tüte hat mir sehr gefallen, ich habe Ihnen ein paar Fotos angehängt, damit Sie sehen, welche Verpackung ich meine.

In dem Papiersack war ein Honig aus Guatemala, der aus Kaffeeblüten von den Bienen gewonnen wird. Da ich in Lateinamerika aufwuchs, habe ich mich darüber sehr gefreut. Allerdings achte ich beim Einkauf selber darauf, dass ich Produkte aus der Region beziehe, um lange Transportwege zu vermeiden. Als ich so darüber nachdachte, wie weit der Weg ist, den der Honig zurückgelegt hat, kamen mir ein paar Fragen: Transportieren Sie den Honig per Schiff? Wir er in Guatemala schon in Gläser abgefüllt und etikettiert, oder erst hier, in Europa?

Dann habe ich auch darüber nachgedacht, warum das Bewusstsein für lokale Erzeugnisse in den Märkten wie Guatemala z.B. so wenig ausgeprägt ist, dass man anscheinend nur hierzulande diese Produkte schätzt? Gibt es von Fairtrade Organisationen wie Claro Vorstösse, um die Wahrnehmung für das Gute und Schätzenswerte lokaler Produkte zu stärken? Damit könnte man doch Nischen von Kunden (respektive Geniessern) in den lokalen Märkten finden und die Produkte dort verkaufen, wo sie hergestellt werden – auch zu einem fairen Preis.

Ein paar Tage später schrieb mir Claro zurück. Das fand ich schon mal sehr positiv, denn längst nicht alle nehmen sich Zeit dafür! Als ich beispielsweise den chilenischen Winzer mit der rund doppelt so schweren Weinflasche anschrieb (s. Beitrag So ’ne Flasche!) und fragte, warum er eine so viel schwerere Flasche wählt, bekam ich keine Antwort – bis heute nicht…

Der Inhalt der Claro Antwortmail überzeugt mich – die Antworten sind schlüssig, glaubwürdig und einem durchdachten Ansatz folgend. Gerne teile ich dieses freudige Beispiel gelebten Fairtrade-Handelns mit Euch!

Besten Dank für Ihre Anfrage. Wir freuen uns jeweils auch an den hübschen Beuteln, die aus alten Kalenderblättern gefaltet werden, ist dies doch ein sehr sinnvolles Recycling. Die Beutel werden jedoch nicht von uns in Auftrag gegeben, sondern werden in einigen Läden von den kreativen  Frauen selber gefaltet.

Selbstverständlich wird Honig auch lokal konsumiert und geschätzt. Für die Imker bedeutet der Zugang zum europäischen Markt jedoch eine ideale Gelegenheit um seine Überschüsse zu einem guten Preis zu vermarkten. Dies ermöglicht den Menschen eine deutlich bessere Lebensqualität, denn die Kinder können so eine Ausbildung kriegen, die Produktionsmethoden können verbessert werden, soziale Dienste können eingerichtet werden etc. Aus diesen Gründen ist der Verkauf von Honig aus Lateinamerika in Europa sehr sinnvoll und vertretbar. Ausserdem hat es zum Beispiel in der Schweiz nicht genügend einheimischen Honig.

Der Honig wird in Fässern nach Europa transportiert und dann in Deutschland in Gläser abgefüllt und etikettiert. Für Glas haben wir uns entschieden, weil dieses wiederum gut rezykliert werden kann.

Alles Claro? Alles Claro! Vielen Dank für diese kompetente Antwort und den täglichen Einsatz für den fairen Handel und die Verbesserung der Lebenssituation vieler Menschen, die es dringend nötig haben!

Advertisements

5 Gedanken zu „Alles Claro? Alles Claro!

  1. Die Antwort finde ich auch sehr überzeugend – und vor allem freut es mich richtig, dass sie jemand so viele Gedanken gemacht hat, den Honig erst im Fass zu transportieren. Das ist ein gutes Vorbild für weit gereiste Produkte insgesamt! 🙂

    • Das will ich doch schwer hoffen, dass man Transporte allgemein so macht, dass man sie en gros im Schiff lädt und erst in Europa verpackt…
      Ich habe mich jedenfalls über diese Antwort echt gefreut. Und nachdem die News im Fernsehen und Radio immer nur super negativ sind, finde ich, dass man auch mal gute Antworten, Ansätze und Konzepte erwähnen soll!
      Vielen Dank für Deinen Beitrag und Grüsse!

      • Ich habe die Befürchtung, die Art des Transports ist nicht selbstverständlich… 😦

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s