Die groβen Hebel für kleine ökologische Fuβabdrücke

Meine Reihe zum Buch „Die Kultur der Reparatur“ von Wolfgang E. Heckl geht weiter! Heute leite ich mit dem Thema Beleuchtung ein und gehe dann zu den groβen Hebeln über, deren Betätigung eine markante Verringerung des ökologischen Fuβabdrucks bringen würden. Doch fangen wir mit dem Thema Beleuchtung an: Heckl geht der Sache auf den Grund, das gefällt mir. Zusammengefasst seine zentralen Gedanken dazu:

Glühbirne

  • Der Gesetzgeber hat den Verkauf von herkömmlichen Glühbirnen verboten, um energiesparende Leuchtmittel mit einer besseren Energieeffizienz zu fördern.
  • Während es richtig ist, Energie einzusparen, fragt sich Heckl, ob der Gesetzgeber nicht an der falschen Stelle angesetzt hat, denn:
  • Es ist zwar klar, dass eine herkömmliche Glühbirne 90 Prozent des eingesetzten Stroms in Wärme umwandelt. Hingegen ist überhaupt nicht transparent, was die teilweise schwermetallbelasteten Energiesparlampen bei Herstellung und Recycling an Ressourcen verbrauchen.
  • Wenn also die neuen Leuchtmittel teurer sind als Glühbirnen, dann kann es nur damit gerechtfertigt sein, dass sie a) eine längere Lebensdauer haben, b) einen geringeren Energieverbrauch und c) dass die ökologischen Herstellungs- und Entsorgungskosten berücksichtigt werden.
  • Denkbar wäre auch ein flächendeckender Einsatz von Halogenleuchten, mit denen sich 30 Prozent Energie einsparen lässt. Sie werden aber 2016 verboten.
  • LED’s sind möglicherweise die Leuchtmittel der Zukunft. Doch hat man, so Heckl, den Gesamtstoffkreislauf noch nicht vollständig beachtet.
  • Schwierige Rechnung! Da gilt es mehr zu berücksichtigen als nur die Energieeffizienz, lerne ich bei der Lektüre der Kalkulationen auf den nächsten Seiten.

Doch lohnt es sich überhaupt, diese Rechnung anzustellen? Die Kosten für Beleuchtung in Deutschland machen gerade mal 1,5 Prozent des gesamten Energiebedarfs des Landes aus. Heckl’s Fazit: wir führen möglicherweise an einer Stelle einen Kampf, „der wie der von Don Quichotte mit den Windmühlen anmutet“. Und er betont, dass es Bereiche mit viel gröβeren Einsparpotenzialen gibt, z.B. bei effizienteren Heizungsanlagen, Wärmedämmung und neuen Methoden, Strom und Wärme gekoppelt herzustellen.

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Der Kampf gegen Windmühlenflügel

Ja, das stimmt – ich kann es aus eigener Erfahrung bestätigen, denn ich arbeite in der Branche. Siemens Building Technologies ist eine Division des Siemens-Konzerns und stellt Gebäudetechnologie her: Heizungs-, Lüftungs- und Klimaregelung, Gebäudeautomationssysteme und -leittechnik, Brandschutz und Sicherheitslösungen – alles, was man zum sicheren und energieeffizienten Betrieb eines Gebäudes oder Gebäudeverbundes braucht. Ein paar Zahlen dazu: Die Städte der Welt benötigen 75 Prozent unserer globalen Energie. Die energieintensivsten Verbraucher in Städten sind Gebäude: auf sie entfallen 40 Prozent des Energieverbrauchs und sie stoβen über 20 Prozent der CO2-Emissionen aus. Mit einer guten Regelung und Automatisierung der bestehenden Heizung- Lüftung- und Klimasysteme lässt sich bis zu 20 Prozent Energie einsparen! Mit Modernisierungen noch viel mehr. Angesichts des Bevölkerungswachstums und der immer höheren Bevölkerungsdichte in Städten (heute lebt über die Hälfte der Bevölkerung in Städten, Schätzungen gehen davon aus, dass es 2050 bereits an die 70 Prozent sein werden) sind das die wirklich effizienten Hebel, die man in Bewegung setzen muss.

HK-Skyline

Hong Kong

Bei diesen Überlegungen kommt mir eine Diskussionsrunde im Fernsehen in den Sinn, die ich vor ein paar Monaten sah: dort trafen zwei Menschen mit unterschiedlichen Standpunkten aufeinander. Der eine war der Meinung, dass jeder individuelle Beitrag, so klein er auch sein möge, ein wichtiger Beitrag sei. Der andere vertrat die Ansicht, dass das alles Augenwischerei sei, so lange der explosionsartig wachsende Energiebedarf in China mit Kohle gestillt würde. Denn China ist der mit Abstand größte Verbraucher von Steinkohle. Das Land hat einen Weltmarktanteil von 51,4 Prozent an dem Energieträger. Die USA und Indien rangieren mit Abstand dahinter.*  Aber auch andere Länder ziehen nach: der Kohleverbrauch stieg Anfang 2012 in Spanien um 65 Prozent, in Großbritannien um 35 Prozent und in Deutschland immerhin um acht Prozent. Irgendwoher muss die Energie ja kommen, die wir täglich brauchen, erst recht, wenn der Atomstrom nach und nach ganz verschwinden soll. Energiewende lässt grüβen!
*Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)/Deutsche Rohstoffagentur (DERA).

Kohlekraftwerk bei Shanghai
Foto von Evelin E., http://fc-foto.de/32716951

Mich würde Eure Meinung dazu interessieren! Wie motiviert Ihr Euch dazu, liebe Leserinnen und Leser, Euren individuellen Beitrag zu leisten, wenn täglich Abertausende von Tonnen CO2 durch Kohlekraftwerke in China oder Indien ausgestoβen werden, um den Energiehunger der vielen Milliarden Menschen zu stillen? Wie geht Ihr mit diesem David-Goliath-Paradigma um? Wie schafft Ihr es, Euch zwischen den beiden Haltungen „Trotzdem Ressourcen schonen, nachhaltig leben, seinen individuellen Beitrag leisten“ und „Nach mir die Sintflut, es ist eh egal, was ich tu“ nicht entmutigen zu lassen?

klimasuender-DW-Wissenschaft-Weitere Links

  • Lesenwert zu dem Thema Energiehunger in den stark wachsenden Ländern ist dieser Artikel aus dem Handelsblatt mit der Prognose der Energieagentur hier
  • Und ein bereits älterer, aber noch aktueller Beitrag aus „Die Welt“ findet sich hier
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16 Gedanken zu „Die groβen Hebel für kleine ökologische Fuβabdrücke

  1. Pingback: Ohne Moralpredigt für die Umwelt sensibilisieren | wirfsnichtweg

  2. Wieder mal wurden die Preise für Energie erhöht. Wir haben uns gefragt, welche Möglichkeiten hier bestehen gegenzusteuern? Mehr als Energie einzusparen, bleibt einem da nicht wirklich. Doch sollte man hier auf jeden Fall sehr darauf achten, was man kauft und zu welchem Preis. Wir haben sehr gute Erfahrung mit http://www.solardiscounter.de gemacht. Hier hat man uns unsere Möglichkeiten, wie man am besten Energie spart, aufgeführt. Mit der neuen Solaranlage und der neuen ökologischen Heizung fühlen wir uns sehr wohl. Vielen Dank für die kompetente technische Beratung, sehr zu empfehlen.

  3. Zwei Gedanken dazu: Ich finde ich es nicht sinnvoll, den Energiebedarf für Beleuchtung relativ zu betrachten (nur 1,5% des Gesamtenergiebedarfs). Wenn ich jedes Jahr mehrere hundert kwh sparen kann, indem ich die Glühbirnen austausche, mache ich das doch – egal, wie groß der sonstige Energiebedarf ist. Außerdem fallen einem dann vielleicht noch ein paar andere Sachen auf, zum Beispiel abschaltbare Steckdosenleisten gegen Stand-by-Verbrauch. Dazu habe ich mal gelesen, dass ein ganzes AKW abgeschaltet werden könnte, wenn ganz Deutschland auf Stand-by verzichtete. Also, die kleinen Veränderungen sollte man nicht diskreditieren. Zum Thema Beleuchtung kann ich wärmstens LED-Glühbirnen von Philips oder Osram empfehlen: sofort hell, angenehme Lichtfarbe, keine Geräusche, kein Quecksilber, extrem sparsam, extrem langlebig, inzwischen auch bezahlbar (unter 10 Euro für einen 60-W-Ersatz).

    Der zweite Gedanke: Meiner Meinung nach sollte man nicht private Veränderungen und politische Engagement gegeneinander ausspielen. Beides ist wichtig, und das politische Engagement ist (gegenüber anderen und einem selbst) nur glaubwürdig, wenn man selbst zu gewissen Veränderungen bereit ist. Mit welchem Recht kann ich die chinesischen Kohlekraftwerke kritisieren, wenn ich selbst noch einen doppelt bis dreifach energieaufwendigen Lebensstil pflege?

    • Hallo Johannes
      Vielen Dank für Deinen differenzierten und wertvollen Beitrag und den Tipp mit den LED’s!
      In meinem Beitrag wollte ich die Dimension des „Hebels“ einbringen – wir schreiben in unseren Blogs darüber, was wir als einzelne Individuen tun. Ich bin bei Dir: wenn viele handeln, entstehen aus vielen Einzelmassnahmen wirkungsvolle Veränderungen. Das soll keinesfalls diskreditiert werden.
      Und doch dürfen wir darüber nicht die wirklich grossen Hebel vergessen. Bei denen haben wir als Einzelne leider nicht so viel Einfluss, wir hängen von Politikern ab, die nicht langfristig, sondern in Wahlzyklen denken und die kurzfristige Wahlergebnisse vor eine langfristig ausgerichtete Umweltpolitik setzen. Genauso die Wirtschaft, deren Unternehmen sich allzu häufig dem Quartalsdruck der Börse unterwerfen und für einen kurzfristigen Profit die Umwelt über Gebühr belasten.
      Ein weiterer Faktor ist, dass wir es uns im reichen Europa „leisten“ können, umweltbewusst zu leben. Menschen, deren Grundbedürfnisse der Maslow-Pyramide kaum gedeckt sind und die Tag für Tag kämpfen müssen, um nicht hungrig einzuschlafen, werden wohl kaum an die Umwelt denken.
      An welchen Fronten wird dieser Kampf nun wirklich gefochten? Überall ein bisschen? Oder gibt es Fronten, an denen sich das kämpfen mehr lohnen würde?
      Jedenfalls danke ich Dir für den Impuls!
      Viele Grüsse, C.

      • Tja, alles sehr schwierig. 😉 Ich glaube, dass der Hebel in der politischen Betätigung am größten ist. Politik meine ich dabei in einem sehr weiten Sinne, also z.B. auch Gespräche mit Freunde, Schreiben von Blogbeiträgen etc. Wenn ich 10 Leute dazu bringe, 10% Energie einzusparen, ist der Effekt derselbe, wie wenn ich von 100% auf 0% runtergehe. Aber das Beispiel Glühbirnenverbot zeigt eben auch, wie schwierig ist es mit der Politik ist: Die einen halten es für eine gefährliche lobbygesteuerte Maßnahme, für mich ist es überzeugend. Im privaten Bereich ist man dagegen nur sich selbst Rechenschaft schuldig und kann nach eigenen Kriterien entscheiden und abwägen.
        Zum Thema „Umweltschutz muss man sich leisten können.“: Die Armen leben doch meist sehr umweltfreundlich, während wir Reichen, gerade weil wir uns viel leisten können, einen viel zu großen Fußabdruck haben. Deswegen ist es nur berechtigt, wenn zuerst überlegt wird, wie der Resourcenverbrauch einen durchschnittlichen Europäers oder US-Amerikaners gesenkt werden kann. Bei den Armen geht es natürlich vielmehr um Entwicklung. Dabei wäre es gut, wenn wir Wege aufzeigen könnten, die Entwicklung resourcenschonender nachzuholen als in den Industrieländern.
        Ein weites Feld…

      • Ja, da hast Du Recht. Das Thema ist komplex wie ein Spinnennetz – ziehst Du an einer Seite daran, bewegt sich die ganze Netzstruktur mit.
        Eine Frage: hast Du auch einen Blog?
        Viele Grüsse, Cornelia

      • Nein, ich habe keinen eigenen Blog, sondern gebe nur hier und da mal meinen Senf dazu. Ich finde es aber ganz großartig, was man hier und in vielen anderen Blogs für interessante Gedanken lesen kann!

  4. Pingback: Die Sonntagsleserin KW 8 | widerstandistzweckmaessig

  5. Danke für diesen sehr fundierten Artikel. – Oft denke ich, dass wir unsere Energie auf falsche Dinge wenden (im Kleinen und im Großen) oder dass wir nicht an der richtigen Stelle anpacken (die Sache mit den Glühbirnen).
    Was das Engagement, das Bemühen um Veränderung angeht … da rede ich mir täglich ein, dass ich nicht die Welt verändern kann, sondern nur mich selbst und vielleicht ein paar durch mein praktisches Beispiel (nicht durch Worte allein). Viele kleine Tropfen … Wenn man das nicht mehr glaubt, kann man gleich aufgeben, alles, und resignieren.
    Ich sehe es aber auch so: Wenn wir selber kleine Dinge tun und viele andere auch, dann ändert sich auch der Standpunkt, die Meinung, die politische Einstellung … Mit dem Tun geht ein Bewusstseinswandel einher. Einen Zusammenhang mit anderen industriell aufstrebenden Ländern sehe ich da allerdings noch nicht *seufz*. Dass es in China so läuft, ist klar und dass die Bevölkerung in einer Diktatur keine Einflussmöglichkeiten hat. Aber was ist mit den USA? Da fehlt anscheinend auch in der Bevölkerung vielen das Bewusstsein für die Umwelt.

    Das sind jetzt meine etwas ungeordneten, nicht ganz durchdachten Gedanken …
    LG, Franka

    • Vielen Dank für diesen Beitrag, den ich gar nicht ungeordnet fand! Er hat mich zu einem weiteren Beitrag inspiriert, nämlich wie sich Veränderungen in sozialen Netzwerken (nicht sozialen Netzen, sondern menschlichen Gesellschaften) etablieren und durchsetzen. Darüber schreibe ich auch bald einmal!
      Es ist wirklich zu hoffen, dass wir Konsumenten eine Bewegung auslösen können, eine Bewegung der Achtsamkeit!

      • Die ‚hart gesottenen‘ Konsumierer wird man nicht erreichen, aber es gibt so viele Gedankenlose und Nicht-Informierte (wie ich auch vor noch nicht allzu langer Zeit). Da sehe ich Potenzial bzw. die Möglichkeit, dass diese Menschen umdenken.

      • Ich glaube inzwischen, da hast Du Recht. Seitdem ich diesen Blog schreibe, komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus: es gibt so viele, die zum gleichen oder sehr ähnlich gelagerten Themen bloggen! So viele tolle Initiativen und Aktionen, die über das Internet organisierbar werden. Das gibt mir Mut, dass das Bewusstsein immer mehr wächst. Und doch… Wir können uns den Luxus leisten, uns damit vertieft auseinanderzusetzen. Wer täglich um sein Essen kämpfen muss, um nicht hungrig schlafen zu gehen, wird wohl kaum ein Bewusstsein für Ressourcen entwickeln.

      • Na klar. Brecht (?) hat es ja schon gesagt: Erst kommt das Fressen und dann die Moral. Allerdings … ich denke, dass auch wir indirekt Einfluss nehmen auf die Geschehnisse und den Hunger in der Welt und zwar durch unser Konsumverhalten. Es ist ja z.B. bekannt, dass mit dem, was Tiere fressen, viele, viele Menschen ernährt werden könnten. Und man könnte dafür noch viele Beispiele anführen …

        LG, Franka

  6. Das ist ja wieder einmal ein sehr spannender Beitrag, vielen Dank.

    Ich habe mich ja vor kurzem noch einmal mit der Beleuchtung auseinander gesetzt. Vor ca. 8 Jahren habe ich alle Glühbirnen auf Energiesparlampen ausgewechselt und war eine zeitlang sehr zufrieden. Sie halten echt ewig lange und brauchen viel weniger Strom.

    Was mir mit der Zeit erst, auf die Nerven ging war die Farbe vom Licht, das sich anfing auf mein Gemüt zu schlagen. Das ist mir aber erst nach vielen Jahren bewusst geworden und daher habe ich dieses Jahr in den Bereichen, wo ich mich ständig aufhalte, auf LED gewechselt.

    Damit bin ich jetzt wirklich sehr zufrieden. Die alten Energiesparlampen ruhen in einem Karton und werden für die restlichen Lampen aufgebraucht.

    Zu Deiner Frage – ich denke jeder kann seinen Teil beitragen und das ist auch ganz wichtig so. In der Masse macht das einen ganz gewaltigen Unterschied aus! Wenn jeder denkt „ich bin nur ein kleines Rädchen und kann nichts bewegen“ dann ist das genau verkehrt. Viele kleine Rädchen können sogar sehr viel bewegen und vor allem ein Umdenken einleiten.

    Alles fängt im Kleinen an…

    lg
    Maria

    • Ich mag funzeliges Licht auch nicht wirklich. An manchen Stellen muss es ein wenig heller sein, an anderen ist es ok, wenn es etwas schummrigeres Licht gibt.
      Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich denke auch dass viele kleine Aktionen in der Summe etwas bewegen können. Aber die grossen Hebel sollten darüber nicht vergessen werden – und die sind leider für die/den Einzelne/n von uns nicht zu betätigen…

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