Geplante Obsoleszenz – eingebaute Schwachstellen in Geräten

Aus dem Kapitel „Die Anatomie der Wegwerfgesellschaft“ des Buchs „Die Kultur der Reparatur von Wolfgang E. Heckl, über das ich auch schon in meinen letzten Beiträgen schrieb (erster und zweiter Beitrag), gefielen mir auch einige Fakten, Überlegungen und Zusammenhänge.

Die „geplante Obsoleszenz“ ist ein recht neues Phänomen: in Produkte oder Geräte werden gezielt Schwachstellen eingebaut, die kurz nach Ablauf der Garantiefrist kaputt gehen. Da sich eine Reparatur oft nicht lohnt, soll so der Erwerb eines neuen Produkts oder Geräts angekurbelt werden. Beispiel Drucker. Heckl schreibt dazu „Klar ist jedoch, dass die Industrie ein Interesse daran hat, Produkte so herzustellen, dass ein Optimum an Materialeinsatz, Lebensdauer und Preis erreicht wird. Ihre betriebswirtschaftlich motivierte Strategie hat dabei oft den Nachteil, dass Produkte nicht so lange halten, wie sie eigentlich – gebaut mit langlebigen Bauteilen und nach allen Regeln der Ingenieurskunst – halten könnten.“ Er schreibt, dass der Kauf eines Radiogeräts für seine Eltern noch eine Anschaffung für’s Leben war. Ja, ich erinnere mich daran, dass mein Vater immer sehr gute und qualitativ hochwertige Elektrogeräte kaufte. Seine Stereoanlage durfte niemand anfassen und sie hielt fast ein ganzes Leben! Und ich muss mich auch nicht verstecken: unsere Anlage hält nun auch schon fast 20 Jahre – sie hat aber inzwischen ein paar Macken. Vielleicht sollte ich das Repair-Café probieren!

Bild

Solche Radioapparate standen noch vor zwei bis drei Generationen in den Wohnzimmern

Meiner Meinung nach kann man aber nicht nur den Unternehmen den schwarzen Peter zuschieben, die sich nicht sonderlich bemühen, Schwachstellen von vorne herein zu vermeiden. Schon immer gab es findige Händler und schlaue Prodzenten, die versuchten, den Verkauf anzukurbeln und neue Begehrlichkeiten zu schaffen. It takes two to tango… Wir Konsumenten spielen eine zentrale Rolle. Aber erst in jüngerer Zeit entsteht dabei so viel Müll wie heute. In diesem Zusammenhang las ich einen Gedanken dazu in Heckl’s tollem Buch, über den ich noch gar nicht so recht nachgedacht hatte: Es gibt auch eine „funktionelle Obsoleszenz“. Sie tritt immer dann auf, wenn ein Gerät weiterentwickelt wurde und der technische Fortschritt das Gerät oder Produkt optimiert. Habe ich mir nicht kürzlich einen ultraleichten Laptop geleistet, auf dem ich jetzt diesen Blog schreibe? Der ein Tablet und Laptop in einem ist? Mit dem ich gemütlich auf dem Sofa im Wohnzimmer sitzen kann, die Füsse hochgelegt? Natürlich mit einer kabellosen Maus, damit ich nicht so ein Kabelwirrwarr habe? Dabei ist der PC im Büro einen Stock höher doch noch sehr leistungsfähig und gut… Ich muss mich selber an der Nase fassen.

Einige Software ist so ausgerichtet, dass sie bei einem neuen Softwarepaket eine neue Hardware verlangt. Gerade Software sprengt die Grenzen des „höher, weiter, schneller“, indem immer mehr Funktionalität zu den Programmen hinzugefügt wird. Das braucht Arbeitsspeicher und Festplattenpower. Man solle als Konsument daher auf die Aufwärtskompatibilität achten, so Heckl. Und dann kommt er zur „psychologischen Obsoleszenz“: Konsumenten folgen auch modischen Bedürfnissen, beispielsweise bei Kleidung, Möbeln oder auch Geräte, die ein besonderes Design haben und Kult sind (mir kommen sofort die langen Schlangen von den Apple Stores in den Sinn, wenn ein neuer iPad oder das ultraneue iPhone herauskommt).

Bild

Ein Ärgernis sind Feinstrumpfhosen und -strümpfe. Das Gewebe ist mechanisch einfach nicht stabil genug und andauernd kann man wieder Strümpfe mit Laufmaschen wegwerfen. Ein Gedanke dazu: „Wir müssen uns, wollen wir das ändern, fragen, ob wir als Kunde bereit sind, mehr zu bezahlen. Denn viel hängt von den Materialien ab, bei denen meistens gilt: je teurer, desto haltbarer“. Ich habe mir vorgenommen zu recherchieren, welche Feinstrümpfe am aller-aller-allerhaltbarsten sind und werde mir diesen Punkt zu Herzen nehmen!

Bild

Die Folgen für die Umwelt sind gravierend. Ökologisch gesehen sind langlebige Produkte wesentlich besser. Ob es aber wirklich so ist, dass der Verbraucher es in der Hand hat, diesen Trend zu setzen und wir irgendwann einmal dahin kommen, dass es neben dem Energieeffizienzklasse-Label auch eine Plakette für Langlebigkeitsklassen auf den Geräten gibt? Da bin ich persönlich dann doch eher pessimistisch. Eine gute Idee hingegen fände ich hingegen die Einführung einer Abgabe für kurzlebige Produkte für technisch oder manuell hergestellte Waren. Oder eine Staffelung der vorgezogenen Recyclinggebühr, die für langlebige Produkte niedriger und für kurzlebige höher sein müsste. Und auf Werbung mit Langlebigkeitsargumenten würden sicher viele Konsumenten aufmerksam werden!

Ein lesenswerter Artikel der Journalistin Susanne Wolf zu dem Thema findet sich hier.

Advertisements

12 Gedanken zu „Geplante Obsoleszenz – eingebaute Schwachstellen in Geräten

  1. Pingback: Ohne Moralpredigt für die Umwelt sensibilisieren | wirfsnichtweg

  2. Hallo, bin gerade durch Zufall auf Deiner Seite und diesem Beitrag gelandet… Zu diesem Thema fällt mir ein Bericht im TV ein, den wir vor ein paar Jahren gesehen haben… Es gab sie, die nahezu unkaputtbare Nylonstrumpfhose !!! Wirklich! Aber nachdem man festgestellt hat, dass dieVerkaufszahlen nachließen – da die Strumpfhosen ja ewig hielten, hat man sie nach und nach „zurückproduziert“, die Qualität künstlich verschlechtert. Stellt Euch doch mal vor, es würde niemand mehr ständig Strumpfhosen kaufen ;-(.
    Übrigens gab es in den alten Bundesländern auch eine Firma (leider weiß ich den Namen nicht mehr), die die ewig haltbare Glühbirne herstellte – aber das kam wohl nicht so gut an – bei der Konkurrenz in den neuen Ländern (nach Öffnung der Grenzen). Firma pleite (oder aufgekauft/übernommenn von anderer Firma), und wir kaufen weiterhin brav Glühbirnen, jetzt „Energiesparbirnen“. Tja, und wir überlegen, wie wir eine kaputte Strumpfhose flicken oder umweltgerecht entsorgen ;-(… liebe Grüße, Birthe

    • Hallo Birthe
      Tja, das kann ich mir vorstellen, dass so mancher Umwelt-Quatsch so entsteht. Aus puren wirtschaftlichen Interessen… Firmen, die langlebige Produkte machen werden von denen, die Wegwerfware produzieren total verdrängt. Aber das schlimmste ist, dass sich die Konsumgesellschaft sowas selber heranzüchtet!
      Danke für Deinen Kommentar, viele Grüsse, Cornelia

  3. Pingback: Die Sonntagsleserin KW 8 | widerstandistzweckmaessig

  4. Hallo Cornelia!

    Vielen lieben Dank für die Fortsetzung Deiner Serie. Den heutigen Beitrag finde ich aus gesprochen spannend! Vor allem den Punkt „neu=besser“ und daher wird neu gekauft beobachte ich bei unseren Kindern. Bei Handys und Computer im Besonderen WOLLEN sie gar nicht das Gerät so lange verwenden, bis es kaputt wird.

    Ich hoffe sehr, dass es bei der Jugend noch zu einem Umdenken kommt.

    lg
    Maria

    • Also, wenn ich mir den Beitrag „Tauschen und Teilen“ im SWR Fernsehen ansehe, den Du gepostet hast (ich habe den rebloggt), dann wird schnell klar, dass es eben die junge Generation ist, die sich über das Internet organisieren, um zu tauschen und zu teilen. Aber bei den Geräten werden dann alle doch schwach, weil es eben genau diese Geräte sind, die einen mit dem Internet verbinden und dieses ja auch seinerseits immer schneller, höher, weiter geht. Wo das noch hinführen wird ist fraglich. Irgendwann wird es sicherlich der Preis regeln – die Seltenen Erden und Rohstoffe, die die Elektronik verschlingt, sind irgendwann auch mal aufgebraucht. Die Geräte werden teurer. Wer weiss, was alles noch erfunden wird, um der Lage Herr zu werden!

      • Ja, die Technikfaszination bei der Jugend ist schon beeindruckend 😉

        Es ist sehr zu hoffen, dass der Preis irgendwann einmal ein realistischer wird und gleichzeitig die Menschen erkennen können, dass die Ressourcen unserer Erde nicht unerschöpflich sind.

        lg
        Maria

  5. Die heutige Gesellschaft heist nicht umsonst „Wegwerfgesellschaft“, dabei werden wir uns nicht bewusst was mit dem ganzen Müll passiert. In Bogotá z.B. wird in jedem Supermarkt alles in Tüten verpackt durch einen Packboy. Sie benutzen zumteil 3 ineinander gesteckte Tüten. Was bei so einer 8 Millionenstadt für Müll entsteht ist unglaublich.

    • In Lateinamerika und Asien gibt es teilweise noch keine richtigen Vorgaben, wie der Müll recycelt und entsorgt werden soll. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was in den Mülldeponien an giftigen Substanzen ins Grundwasser geht! Unglaublich, das mit den drei ineinander gesteckten Tüten. Machen die Einpacker das, damit die Tüten haltbarer sind?

      • Die Tüten sind so dünn, das bei Flaschen es so benötigt wird. Zum teil werden auch Dinge einzel verpackt, wie z.b. Fleisch, Käse u.s.w.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s