Die Kultur der Reparatur – zweiter Beitrag

Den Verlust der elementaren Fähigkeit der Reparatur führt der Autor des Buchs „Die Kultur der Reparatur“, Wolfgang M. Heckl, unter anderem auf die hohe arbeitsteilige Atomisierung in unseren Produktions- und Wirtschaftsprozessen zurück. „Es geht mir nicht darum, Flieβbandtätigkeiten oder die arbeitsteilige Produktionsweise abzulehnen. Aber manche Übertreibung hat eben auch negative Konsequenzen. Das Spezialistentum treibt unbestritten seltsame Blüten, auch in unserer heutigen Informationsgesellschaft. So hat die Entwicklung hin zu immer mehr Bürokratie auch darin eine ihrer Ursachen, dass immer mehr Spezialisten kleinteilig über immer detailliertere Vorgaben, Verordnungen, Vorschriften usw. wachen und zudem immer neue erfinden.“

Da kommt mir doch gleich ein älteres Lied von Reinhard Mey in den Sinn…

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Lieber Herr Mey, falls Sie das hier sehen, entschuldige ich mich schon jetzt dafür, dass ich keinen Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars zur Bestätigung des Copyrights und Durchschriftexemplars eingeholt habe!

Der „Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars“.
Hört mal rein: Song von Reinhard Mey – immer noch hochaktuell!

Heckl schreibt weiter, dass es wichtig sei, dass es Spezialisten gibt. Doch darüber hinaus sollte es mehr Menschen geben, die Stoffkreisläufe verstehen und das Entstehen und Vergehen von Dingen einordnen können. In den früheren handwerklichen Gesellschaften war das schon aus Überlebensgründen zentral und daher selbstverständlich. Das Beispiel mit den Eskimos, die von ihren Fängen alles verwerten und nichts wegschmeiβen zeigt dies auf. Während ich das mit den Eskimos lese, fallen mir ganz viele andere Beispiele ein, meist sind es Naturvölker, die noch im Einklang mit der Natur leben, wenn man sie lässt.

An dieser Stelle frage ich mich, wie man es hinkriegen könnte, dass dieses ganzheitliche Verständnis wieder wächst, sich breiter verankert? Nur durch „ein Verständnis für die haptischen, mechanischen und auch elektrischen Vorgänge eines Gegenstands, eines Geräts“? Wie kann die elementare Fähigkeit der Reparatur so gefördert werden, dass aus der Kultur der Reparatur eine Bewegung wird, die gleich einer riesigen Welle die Wegwerfgesellschaft überrollt und alles verändert? Schwierig… Ich bin gespannt auf die weiteren Ansätze des Buchs. Dies war die Fortsetzung von Die Kultur der Reparatur, erster Beitrag. Mehr dazu ganz bald!

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8 Gedanken zu „Die Kultur der Reparatur – zweiter Beitrag

  1. Pingback: Ohne Moralpredigt für die Umwelt sensibilisieren | wirfsnichtweg

  2. Wohl wahr, das Spezialistentum ist nicht gut, wenn das Verständnis für das große Ganze fehlt. Ein interessanter Aspekt.

  3. Pingback: Die Sonntagsleserin KW 7 | widerstandistzweckmaessig

  4. Danke für die Fortsetzung Deiner Serie!

    Wie kann die elementare Fähigkeit der Reparatur so gefördert werden, dass aus der Kultur der Reparatur eine Bewegung wird, die gleich einer riesigen Welle die Wegwerfgesellschaft überrollt und alles verändert?

    Das ist für mich die zentrale Frage, die es zu lösen gibt. Wobei wenn man bedenkt, dass das erste Repair-Cafe im Oktober 2009 stattfand, die Stiftung wurde 2010 ins Leben gerufen und mittlerweile gibt es Repair-Cafes in Belgien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Kanada, Lichtenstein, Luxenburg, Österreich, Schweiz, Großbritanien und den USA.

    Ich finde das ausgesprochen bemerkenswert für diesen kurzen Zeitraum und zeigt, welche Eigendynamik diese Bewegung inzwischen erhalten halt.

    lg
    Maria

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