Die Kultur der Reparatur

Heute möchte ich Euch von einem Buch berichten, das ich kürzlich gelesen habe. Es heiβt „Die Kultur der Reparatur“ und wurde von Wolfgang M. Heckl verfasst. Ich werde in ein paar Blog-Beiträgen die Aussagen und Informationen zusammenfassen, die mir besonders gut gefallen haben.

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Carl Hanser Verlag München, 2013, ISBN 978-3-446-43678-7

Das „Plädoyer für eine Kultur der Reparatur“ beginnt mit einem Zitat von Wilhelm Busch, „Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen“. Wie wahr! Der Autor beginnt mit der Historie der Repair-Bewegung, deren Mitstreiter die Kleidung auf“pimpen“ und sich in Repair Cafés treffen. Das erste Repair-Café wurde in den Niederlanden gegründet, im Jahre 2009. Eine Journalistin, die sich gegen die Überfluss- und Wegwerfgesellschaft auflehnte, in der niemand mehr richtig fähig ist, Dinge zu reparieren, legte den Grundstein für Cafés, in denen Menschen zusammenkommen, um Dinge zu reparieren. Ehrenamtlich und unentgeltlich. Es folgten holländische Designer, die ein „Repair Manifesto“ verfassten und dazu aufriefen, kein Sklave der Technologie zu sein und sich von der Industrie nicht zum bequemen Konsumenten erziehen zu lassen.

Heckl schreibt, dass er Bildung nicht allein als eine Bildung des Kopfes betrachte. Vielmehr verlaufe das Lernen nur dann optimal, wenn man sich auch praktisch, vor allem manuell, betätige. Weiter lese ich (und das gefällt mir so gut, dass ich es zitiere): „Das Reparieren, sich selbst zu helfen, ist eine sinnstiftende Tätigkeit. Es ist gelebte Nachhaltigkeit, bedeutet die Übernahme von Verantwortung, verbindet mich sinnvoll mit dem, was mich umgibt, und zwingt zum genauen Schauen, Erleben und Entdecken. Die Reparatur fordert mein Verständnis der Funktion von Dingen und damit auch die Wertschätzung gegenüber denen, die sich das Werkstück oder Gerät ausgedacht, die es erfunden und auch hergestellt haben. Des Weiteren gewinnt jeder, der reparieren und/oder etwas herstellen kann, an Autonomie.“

Der nächste kluge Gedanke in seinem Plädoyer der ersten Seiten ist, dass die Kultur der Reparatur auch dazu beitragen kann, die gröβer werdende Lücke zwischen den Generationen zu schlieβen. Hier spricht er einen ganz wichtigen Punkt an: es gibt sehr viel brachliegendes Potenzial in unseren (europäischen, aber nicht nur diesen) Gesellschaften. Wie viele ältere Menschen haben so viel Wissen und Fertigkeiten, die von der Gesellschaft nicht mehr eingefordert und wertgeschätzt werden (ich kann ein Lied davon singen, wie die ältere Generation systematisch bei Firmenumstrukturierungen ausgemustert und in die Frührente geschickt werden)! Dabei wäre das Zusammenführen der Generationen gerade in Zeiten des demographischen Wandels zentral.

Ein weiterer Grund für eine gesunde Kultur der Reparatur: die Endlichkeit der Ressourcen. Darüber muss ich wohl gar nichts schreiben, das wissen wir alle. Nicht erst seit gestern… Spannend fand ich aber diesbezüglich die Überlegung, dass wir in Kreisläufen denken lernen müssen, so wie beim Recycling. Für eine Kreislaufwirtschaft braucht es technologischen Erfindergeist und einen intelligenten Verbraucher, der bereit ist, für langlebigere und reparierbare Produkte einen Aufpreis zu zahlen – eben weil er in Kreisläufen denken kann.

Nach der Lektüre des ersten Kapitels wusste ich: dieses Buch lege ich nicht zur Seite! In meinem nächsten Beitrag gehe ich auf die Ausführungen zum Verlust elementarer Fähigkeiten ein, die einer Kultur der Reparatur im Wege stehen – auch ein spannendes Thema. Damit schlieβe ich für heute und hoffe, dass die ersten Gedanken dieses lesenswerten Buchs Euch genauso gefallen, wie mir! Kommentare dazu? Immer gern!

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11 Gedanken zu „Die Kultur der Reparatur

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    • Oh, vielen lieben Dank! Ich hoffe, die bald folgenden Beiträge geben Dir vielleicht auch den einen oder anderen Impuls. Du warst schon mal in einem Repair-Café, nicht? Ich möchte es bald einmal ausprobieren.

      • Also wenn Du ein Repair-Cafe in der Nähe hast, dann kann ich das unbedingt empfehlen! Wobei ich bzw. mein Partner fast alles selbst reparieren, was möglich ist. Nur bei manchen technischen Geräten, da brauchen wir Hilfe.
        Was mir persönlich ein großes Anliegen ist – das Reparieren von Kleidung. Weil neue Kleidung so billig ist, wird nicht einmal mehr eine aufgegangene Naht genäht sondern statt dessen das Teil entsorgt und ein neues gekauft. Das finde ich einfach nur schrecklich.

        lg
        Maria

      • Es gibt eines auf eine Dreiviertelstunde – dort kann man glaube ich am ersten Sonntag des Monats hingehen. Derzeit ist eigentlich nichts kaputt 🙂 aber ich habe vor, dorthin zu gehen, wenn ich es mal brauche. Auch ich bin ständig am Kleidung reparieren – am Wochenende einiges an der Winterjacke unseres Juniors. Das gibt mir immer eine besondere Befriedigung. Vielen Dank für Deinen Beitrag!

  3. Dieser Beitrag inspiriert einen mal zu überdenken was wir alles wegwerfen oder reparieren. Die Konsumgesellschaft von heute kann zum teil gar nicht reparieren.

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