Die Papierflut

Papierflut Im Zeitalter der Digitalisierung und des papierlosen Büros scheint sich der Briefkasten umgekehrt proportional und exponenziell explodierend mit Papier zu füllen. Während Spam-Filter die ungewollten digitalen Sendungen mittlerweile ganz gut im Griff haben, schützt der „Keine Werbung“-Kleber am Briefkasten mitnichten vor der Papierflut. Nicht bestellte Broschüren, Zeitschriften, Werbesendungen, Wettbewerbe und Glücksspiele, Spendenaufrufe von Sozialwerken und lokalen Vereinen, ja, sogar Todesanzeigen von Menschen, die ich noch nie gesehen habe, trudeln täglich ein. Eigentlich ein Grund zum Ärgernis. Denn wenn man die Flut stoppen will, muss man aktiv werden. Und Zeit investieren. Bei mir geht mindestens ein halber Tag pro Monat drauf, an dem ich mich online auf die Suche nach den Verlagen, Sozialwerken und Werbeplattformen mache und ihnen freundliche, anständige aber in der Sache deutliche Mails schreibe. Nur bei den Todesanzeigen bin ich milde, ich kann ja schlecht die Hinterbliebenen auffordern, sie mögen mir künftig keine Todesanzeigen des/der Verstorbenen mehr senden… Der Standard-Anti-Papierflut-Text ist meistens folgendermassen:

Sehr geehrte Damen und Herren des Verlags ((der Redaktion etc.)) xyz ((der Name ist wichtig!)) Heute erhielt ich Ihre Zeitschrift ((oder dergleichen)), obwohl ich sie nicht bestellt habe. Da ich genug Lesestoff habe und nicht dazu kommen werde, diese Zeitschrift zu lesen, wird sie wie so viele ungewollte Werbesendungen ungelesen im Altpapier landen. Es ist nicht nur schade um das Papier, die Druck- und Versandkosten und die Verteilung, sondern ganz besonders um Ihren redaktionellen Aufwand. Es ist noch viel mehr, nämlich eine Ressourcenverschwendung, die ich nicht unterstützen möchte. Bitte nehmen Sie mich von Ihren Verteiler und stellen Sie sicher, dass mir nichts mehr gesendet wird, das ich nicht angefordert habe. Gerne erwarte ich Ihre schriftliche Bestätigung und grüsse Sie freundlich, ((Name und Nachname, evtl. auch der Name des/der Partner/in, vollständige Adresse – wichtig, damit der Empfänger direkt nach der Adresse in der Datenbank suchen kann)).

Die Rechtslage ist eigentlich auf der Seite der Empfänger, doch die wenigsten Werbespammer halten sich daran. Problematisch sind die Massenversände: da gehen Grossauflagen von Lokalzeitungen, Katalogen und Werbesendungen oder eben auch Todesanzeigen an alle Haushalte der heimischen Gemeinde. Kürzlich erhielt ich von einem Fotogeschäft im benachbarten Kanton einen umfangreichen Katalog in Farbdruck, mit allem, was ich nicht möchte oder schon habe. Ich schickte mein Standardmail und erhielt vom Geschäftsführer persönlich eine Antwort:

Selbstverständlich respektieren wir das. Können Sie mir allenfalls sagen, welche Werbesendung Sie von uns bekommen haben?

Daraufhin antwortete ich ihm:

Es war ein Katalog mit Kameras und mehr oder weniger dem Sortiment Ihres Fotogeschäfts. Vielen Dank, dass Sie Verständnis haben. Ihnen eine gute Weihnachtszeit und einen guten Rutsch! ((bin ja freundlich…))

Daraufhin er:

Unseren Katalog haben alle privaten Haushalte im Kanton Zug, sowie in den angrenzenden Gemeinden bekommen. Damit Sie diesen nicht mehr bekommen, müssen Sie Ihren Briefkasten mit „Bitte keine Werbung“ markieren. Der Katalog wird zweimal jährlich versandt ((interessanterweise hatte ich den vorher noch nie erhalten!)) und wird von der schweizerischen Post verteilt. Wir können leider nicht beeinflussen, dass Sie von uns keine Werbung mehr bekommen. Ihnen auch eine schöne Weihnachtszeit!

Mein letzter Versuch blieb unbeantwortet:

Den „Keine Werbung“-Kleber habe ich schon. Und zwar seit einem halben Jahr einen brandneuen, in leuchtendem Rot. Wären Sie so nett, der Post mitzuteilen, dass der Katalog nicht an Haushaltungen verteilen soll, bei denen der Kleber am Briefkasten klebt? Vielleicht hört die Post eher auf Kunden als auf Empfänger unaufgeforderter Werbesendungen…

Also ist die Post schuld…? Ich bin gespannt, ob der Katalog des Fotogeschäfts nochmal kommt. Bei Spendenaufrufen war ich noch vor einem Jahr nicht so konsequent. Vor allem dann nicht, wenn etwas mitgeschickt wurde – ein Kleber, ein Radiergummi, Briefmarken oder Post-it Blocks. Heute kenne ich da kein Pardon mehr. Denn auch hier kann man begründen, das man künftig nicht mehr angeschrieben werden möchte. Mein Standardmail lautet:

Sehr geehrte Damen und Herren des Hilfswerks xyz, Besten Dank für Ihren Spendenaufruf. Ihr Engagement schätzen wir sehr. Wir spenden seit Jahren an ein anderes Hilfswerk und möchten diesem treu bleiben. Deshalb berücksichtigen wir grundsätzlich andere Hilfswerke nicht. Bitte nehmen Sie uns aus Ihrer Adressdatenbank, da es schade um die Kosten und die Zeit ist, die Sie in dieses Mailing stecken. Bitte bestätigen Sie… ((gleiches Ende wie Standard-Anti-Papierflut-Mailtext))

Dazu ist zu sagen, dass es wirklich wahr ist und wir die SOS Kinderdörfer seit vielen Jahren unterstützen. Das müssen die Damen und Herren der anderen Hilfsorganisationen aber nicht wissen, Marktforschung müssen sie schon selber betreiben! Mir geht es gut mit meiner Anti-Papierflut-Strategie. Es dauert eine Weile, der Papierflut Herr zu werden, aber nach einer Weile ziehen die Massnahmen. Für meinen monatlich halben Tag Zeit-Investment bekomme ich als Gegenleistung ein Gefühl von Selbstbestimmung und die Gewissheit, zum Erhalt von Ressourcen beizutragen. Mein Ärger über die unnütze Verschwendung ist seltener, der Altpapierstapel kleiner und meine Zufriedenheit grösser geworden!

Advertisements

2 Gedanken zu „Die Papierflut

  1. Pingback: Ohne Moralpredigt für die Umwelt sensibilisieren | wirfsnichtweg

  2. Pingback: wirfsnichtweg

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s